Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 266
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A. FRICKENHAUS

westlichen Ende erhalten und war 40 cm breit, konnte also
sehr viel Wasser zuführen. Auch der bronzene Löwenkopf,
aus dem es ausfloss, scheint noch erhalten, denn dicht dabei
(en contrebas de l’angde SO. du grand mur polygonal) wurde
ein archaischer Wasserspeier gefunden, der an die erwähnte,
leider ausgebrochene Einflussstelle gut anpasst (Abb. 1 0) K

Dieses archaische Brunnenhaus, das bisher kaum beach-
tet zu sein scheint, ist wahrscheinlich der von Plutarch er-
wähnte heilige Quell, der neben einem Heiligtum der Ge
und der Musen lag1 2. Homolle identificiert ihn allerdings mit
dem Ausfluss einer westlich von der Athenerhalle münden-
den Leitung, die ich selbst nicht untersucht habe 3. Wie dem
aber auch sei: sicher lag die Plutarchische Quelle mit den
benachbarten Heiligtümern südlich der Polygonalmauer. Nun
gilt aber in der jüngeren Überlieferung der Drache als Hüter
des vorapollinischen Orakels, dessen Inhaberin Ge war. Des-
halb sucht Homolle (und ihm folgend Pomtow) in der Nähe
die Stätte des Drachenkampfs: er bezeichnet den Felsen, bei
dem die Höhle anzunehmen wäre, und die älwg. Aber zunächst
ist eine wirkliche Höhle gar nicht vorhanden, als ‘WaldtaP
(vocju'i) kann diese vollkommen offene Gegend nie bezeichnet
worden sein, ein Hain fand hier nie Platz, für die Doloneia
fehlt jegliche Möglichkeit der Erklärung. Mit andern Wor-
ten : nur der Fels und vielleicht die älmq lassen sich zwang-
los wiedererkennen, aber den übrigen Bedingungen entspricht
die Örtlichkeit nicht. Nun aber erinnern wir uns, dass bereits

1 Fouilles V Texte p. 56 Nr. 180 Taf. XV 2. Den Nachweis dieser Publi-
cation verdanke ich Herrn Perdrizet selbst; mir war das Stück im Museum
von Delphi aufgefallen, A. Kontoleon wusste auch die richtige Provenienz,
aber ich hatte es beschämenderweise in Perdrizets Buch nicht gefunden.

2 De Pythiae or. 401. Plutarch und seine Freunde sitzen auf den süd-
lichen Stufen des Apollotempels jtoöc xö rfjg rf]<; lepöv tö xe üömq ajxoß?v£-
jtovxe?- cooxe xxf. In der besten Handschrift (E) ist vor, in einer anderen (B)
nach dem Wort ajxoß^ejxovxe«; eine Lücke von 12 bzw. 11 Buchstaben. Paton
vermutet (tfjg Kaoooxiöog), aber das ist unmöglich weil die Kassotis nörd-
lich vom Tempel lag; möglich wäre aber (xfjq ADcpouor)g), vgl Steph. Byz.
s. v. Ae?i.cpoL und Th. Schreiber, Apollon Pythoktonos 6 Anm. 24.

3 Hierzu und zum folgenden vgl. Homolle, BCH. XVII 1893, 619. 620
(auch Fouilles IV 54 A. 2); Frazer, Paus. V 286. 287.
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