Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 270
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A. FRICKENHAUS

Apollotempel (Paüs. X 24, 4) und wurde nach der Sage durch
Kalauria entschädigtl.

Als die Besitzerin des vorapollinischen Orakels gilt Ge;
sie trat zwar das Orakel an Apollon ab, wurde aber auch
nachher in einem eigenen Bezirk verehrt, und der bei diesem
fliessende Brunnen (Delphusa?) spielte eine wichtige Rolle
im Apollonkult. Wenn aber ein gelehrter Vasenmaler2 * * schon
dem vorapollinischen Orakel den Dreifuss zuteilt, so scheint
uns das der historischen Treue zu widersprechen: den Drei-
fuss hat erst Apollon nach Delphi gebracht, denn das einzige
uns genauer bekannte Delphinion (in Milet) ist durch einen
riesigen Dreifuss ausgezeichnet; dieses Gerät gehört also
schon zum Besitz des Delphinios, woraus sich auch die un-
organische Verbindung der Pythia mit dem Dreifuss erklärt.
Aber die Pythia selbst haftet schon um ihres Namens willen
am Orte; sie ist sicherlich das Abbild der Ge als der frühe-
ren Orakelgöttin.

Wenn man bisher die Delphyna mit der Ge identificiert
hat, so wurde das oben aus topographischen Gründen wider-
legt. Die Schlange wohnte in der vcca;i] bei der Kassotis, und
wir vermögen nicht mehr zu sagen, ob sie etwa eine alte
Göttin war. Sollte sie einstmals einen Kult gehabt haben, so
übernahm ihn Apollon; die Schlangen, die man noch später
im Adyton hielt (Laert. Diog. V 6, 91; Pomtow, Berl. Philol.
Woch. 1909,382), hängen sicherlich irgendwie mit der Del-
phyna zusammen. Der Mythus aber machte aus ihr ein men-
schenfeindliches Ungetüm, später auch einen Drachen (Py-
thon), durch dessen Erlegung sich Apollon ein Verdienst er-
worben habe.

Das Orakel, der Dreifuss, der Python, alles gehört zum
Wesen des Pythisclien Apoll, aber das Wichtigste ist doch

1 Schol. Apoll. Rhod III 1242; Strabon VIII 373; Paus. II 33, 2. Vgl.
v. Wilamowitz, Gött. Nachr. 1896, 168 (wo aber die vordorischen Apollon-
kulte der Argolis nicht berücksichtigt werden).

2 Berlin 2538 (Gerhard, Auserl. Vas. 327); er überlegte sich, dass zur

Zeit des Aegeus Apollon noch nicht in Delphi war, und setzte deshalb die

Themis (als Nachfolgerin der Ge) auf den Orakeldreifuss. Über die Rolle

der Themis vgl. v. Wilamowitz, Griech. Trag. II 5 229 A. 1.
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