Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 326
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ST. A. XANTHUDIDES

Epinetron (Berlin 1908)' und die Recension von Blümner
(Berl. philol. Woch. 1909, 1246-1251) in die Hände fielen. Die
dort angeführte Literatur zeigt wiederum mehrfache Fehler
in der Erklärung der Art, wie unser Gerät verwendet wurde1 2 * *;
man hat es immer mit dem Faden in directe Verbindung
gebracht. Auch Fräulein Läng hat in ihrer sorgsamen Be-
handlung des gesamten Materials angenommen, dass man
die Fäden auf dem Epinetron glättete; aber sie dehnt des-
sen Verwendung auch auf andere weibliche Arbeiten aus:
die mit Schuppen gravierte Oberfläche soll als Unterlage
für Webe- und Stickmuster gedient haben. Dafür sind natür-
lich die thönernen Exemplare ungeeignet, und deshalb seien
sie nur Paradestücke, zu festlichen Gelegenheiten hergestellt
(Hochzeitsgeschenke, die dann der Toten ins Grab folgten),
oder Weihgeschenke für Göttinnen: die wirklich gebrauch-
ten Epinetra hätten aus weichem Holz bestanden, auf dem
man die Gewebe feststecken konnte.

Blümner weist in seiner Recension des Läng’schen Bu-
ches (Berl. phil. Woch. 1909,1 246) mit Recht diese Auffas-
sung zurück, weil die gewölbte Oberfläche des Geräts und
die zu seiner Achse schräg stehenden Schuppen für Webe-
und Stickmuster ganz ungeeignet seien. Aber auch er nimmt
an, dass die Frauen auf dem Epinetron den gesponnenen
Faden glatt und gleichmässig strichen.

So haben sich alle Späteren von dem richtigen Weg
entfernt, den Robert gewiesen hatte. In Wahrheit ergibt sich
aber der Gebrauch des Epinetron einfach aus der Betrach-
tung der verschiedenen Stadien in der Zurichtung der Wolle.

Die Wolle wird zunächst gewaschen und dann gekräm-
pelt, erst mit der Hand, dann mit dem Kamm Qcmov), und

1 Vorher ungarisch in den Archaeologiai Ertesitö, Budapest 1907.

8 Pottier bei Daremberg-Saglio, Dict. d. ant. s. v. onos und Catalogue

des vases du Louvre I 172 Nr. 487 : auf der durch die gravierten Schuppen

gerauhten Oberfläche wurden die feuchten Fäden mit den Fingern ge-
dreht und geglättet. Hartwig, 5Ecp. dp“/. 1897, 129: unsere thönernen Epine-
tra sind nur decorative Nachbildungen der wirklich gebrauchten, aus feste-
rem Material. Vgl. Lechat, Rev. d. et. gr. 1898, 222; Richter, BSA. XI 234;

Engelmann, Berl. phil. Woch. 1907, 186 ; Hauser, Oest. Jahresh. 1909, 84.
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