Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 352
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352 W. DÖRPFELD. I. DIE BAUWERKE

festen Grenzmauer oder zu einem alteren, später zerstörten
Gebäude gehört hat.

Für die Ermittelung des Zweckes des Gebäudes H ist
die Auffindung eines inneren Bemas von Wichtigkeit, das
an der nördlichen Langseite des Saales teilweise erhalten ist
und wahrscheinlich auch an den beiden kurzen Seiten ent-
lang lief; wenigstens biegt es im Nordwesten um und Spu-
ren der Umbiegung sind auch im Nordosten zu erkennen.
Ausser einer Fundamentschicht aus Trachyt sind jetzt noch
mehrere Steine eines marmornen Sockelgliedes erhalten, auf
dessen Oberfläche Dübellöcher das ehemalige Vorhandensein
einer Orthostatenschicht beweisen. Da wir über dieser Haupt-
schicht noch ein Oberglied ergänzen müssen, erhalten wir die
in Pergamon übliche Gestalt eines Podiums, für das durch eine.
Inschrift des mittleren Gymnasions (AM. XXIX 1 904,1 68 Nr. 8)
der antike Name Bema gesichert ist. In der Mitte der Nord-
seite verbreitert sich das 1,30 m tiefe und wohl fast 1 m hohe
Bema in einer Länge von 4,23 m bis zur doppelten Tiefe.
Dass das Podium nicht dem ursprünglichen Bau angehört,
sondern später hinzugefügt ist, wird einerseits dadurch wahr-
scheinlich gemacht, dass sich unter den Marmorsteinen des
Sockels Stücke der Cassettendecke eines anderen Gebäudes
befinden, und anderseits dadurch sicher gestellt, dass sich an
der Rückwand Reste von rot bemaltem Wandputz erhalten
haben, die später durch das Bema verdeckt waren und so
der Vernichtung entgangen sind.

Welchen Zweck das Podium in unserem Bau gehabt hat,
ist leider unbekannt. In anderen Gebäuden Pergamons haben
ähnliche Podien zur Aufstellung von Statuen, Weihegaben
und Inschriften, oder auch als Bänke und erhöhte Sitzplätze
gedient. Wenn letzterer Zweck vorlag, würden allerdings
Stufen zum Hinaufsteigen vorhanden gewesen sein müssen;
ob dies der Fall war, ist leider nicht zu sagen.

Ebenso wenig wie das Bema liefert uns der Grundriss
des Gebäudes eine sichere Handhabe für die Ermittelung
seines Zweckes. Daher sind wir, um ihm einen Namen geben
zu können, lediglich auf eine Vermutung angewiesen, die
durch einige Inschriften nahe gelegt wird. Westlich von un-
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