Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 359
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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1908-1909

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lehrt, dass die Königin Apollonis der Demeter und Kore
den Thesmophoren-Göttinnen, die Stoen und die Gebäude
(oder Räume) als Weihegabe gestiftet hat (s. Inschriften
Nr. 24). Unter den atocu dieser Inschrift sind nicht nur beide
grosse Hallen an der südlichen und nördlichen Langseite
des Bezirks zu verstehen, sondern selbstverständlich auch
die Vorhalle selbst, auf deren Gebälk die Inschrift steht
Zu den oixoi dürfen wir wohl einige an die Ostwand des
Bezirks sich anschliessende Räume und vielleicht auch an-
dere noch nicht aufgedeckte Bauten des Bezirks rechnen.
Zugleich auch an den Tempel der Demeter zu denken, weil
oixo<; in der Weihinschrift der Aphaia (A. Furtwängler, Ae-
gina 367) wohl den Tempel bezeichnet, verhindert nicht
nur der Plural oixoi, sondern namentlich die Aufschrift des
Tempels selbst, aus der sich für diesen eine ältere Erbau-
ungszeit ergibt.

Säulen und Gebälk der Vorhalle sind als korinthisch-
äolische Architektur gestaltet und daher kunstgeschichtlich
besonders wertvoll. Die Säulen haben keine Basen und zei-
gen uur an ihrer Unterkante 20 sehr flache, also dorische
Cannelluren. Das Capitell besitzt eine Reihe von 16 auf-
rechtstehenden und mit ihren Spitzen umbiegenden Blättern,
zwischen denen noch die Spitzen einer zweiten Blätterreihe
sichbar werden. Die Höhe der Säulen beträgt 4,59 m, bei
einem unteren Durchmesser von fast 0,64 m und einem obe-
ren von fast 0,52 m, ist also ungefähr das Siebenfache des
unteren Durchmessers.

Von den hinter den Säulen stehenden Parastaclen haben
sich nicht nur mehrere Steine und eines der Capitelle gefun-
den, sondern es war auch die Standspur der nördlichen Para-
stas so deutlich zu erkennen, dass diese wieder an ihre alte
Stelle gesetzt werden konnte. Die Wand selbst, welche in der
Parastas endet, ist dagegen vollständig zerstört, ebenso wie
die Türwand. Infolge dessen ist die Breite der Tür, trotz des
Vorhandenseins einiger ihrer Umfassungsteine, nicht mehr
zu ermitteln. Um so besser ist die in der Hinterhalle gele-
gene zehnstufige Freitreppe erhalten, auf der man zu dem
heiligen Bezirk hinabstieg. LTnd an ihrer nördlichen Seite
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