Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 369
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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1908-1909

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deutenden Kosten für die Entfernung des Felsens gespart
werden, welche die Anlage der Halle in der Bodenhöhe des
Bezirks erfordert haben würde.

Die Halle selbst hat bis zu ihrer Zerstörung im Mittel-
alter diejenige Gestalt bewahrt, welche sie bei ihrer Errich-
tung durch die Königin Apollonis empfangen hatte. Ein
Umbau in Marmor, wie wir ihn bei der Südstoa fanden,
hat hier nicht stattgefunden. Vor einer hohen, aus Tracliyt-
quadern erbauten Rückwand erhob sich im Abstande von
etwa 5 m eine Reihe korinthisch-äolischer Säulen. Nur die
Untertrommel einer dieser Säulen und die Standspur einer
zweiten sind noch erhalten. Danach hatten die Säulen einen
unteren Durchmesser von 0,62 m und eine Achsweite von
etwa 2,61 m.

Ähnlich wie bei den Säulen des Propylons sind auch
hier an der untersten Trommel 20 flache dorische Canellu-
ren eine Hand hoch angearbeitet; der übrige Schaft besitzt
noch einen Werkzoll, der viel stärker ist als bei den Säulen
des Propylons. Während man bei den letzteren die unten an-
gearbeiteten Canelluren kaum bemerkt und zunächst zu der
Meinung kommen kann, dass der Schaft uncanelliert blei-
ben sollte, fällt die Unfertigkeit der Säulen an der Nordstoa
sofort in die Augen. Es ist eine merkwürdige Erscheinung,
dass die mit so grossen Kosten errichteten Bauten der Apol-
lonis also nie ganz fertig geworden sind. Bei dem Propylon
hatte man wenigstens den rauhen Werkzoll abgearbeitet,
ohne jedoch die beabsichtigten dorischen Canelluren auszu-
führen; bei der Nordstoa ist aber auch diese Arbeit unter-
blieben. Ein zu der Stoa passendes Capitell, von derselben
Art wie die Capitelle des Propylon, wurde vor der Halle ge-
funden und darf ihr, da der Durchmesser passt, ohne Beden-
ken zugeschrieben werden. Von ihren Gebälkstücken ist da-
gegen bisher auch nicht ein Stein gefunden worden. Zwar
haben wir erst einen kleinen Teil der Halle freigelegt, und
ist daher die Möglichkeit, dass noch Steine gefunden werden
durchaus nicht ausgeschlossen; da aber beim Propylon fast
alle Steine des Gebälkes in und neben dem Bau selbst ge-
funden sind, so ist ihr gänzliches Fehlen bei unserer Stoa
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