Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 377
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.17
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29170.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.29170#0389
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1910/0389
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1 908 - 1 909

377

Orthostaten b,90 m beträgt; die entsprechenden Breiten-
maasse sind 4,50 und 2,27 m. Das letztere Maass ist jetzt
tatsächlich um 4 cm grösser, weil die Fuge der beiden Ortho-
staten an der allein erhaltenen Nordseite sich schon im Alter-
tum geöffnet hatte und mit einer Platte von dieser Dicke
geschlossen worden ist. Auch andere Fugen besitzen dünnere
ähnliche Ausfüllungen.

Die beiden Stufen des Altars, die auf dem photographi-
schen Bilde (Taf. XVIII) sehr gut zu sehen sind, weisen einige
Besonderheiten auf. Sie gehen in einer Breite von 0,35 m
rings um den Altar herum, aber an der Westseite verbreitert
sich die Oberstufe bis auf 0,87 m und bildet so einen Stand-
platz für den opfernden Priester, wie er auch bei anderen
antiken Altären vorkommt; in Pergamon zum Beispiel bei
dem grossen Altäre auf der Theaterterrasse.

Die zweite Eigentümlichkeit besteht in dem Umstande,
dass alle Steine der Stufen auf ihrer Oberfläche nicht nur
Löcher für horizontale Klammern, sondern auch für verticale
Dübel aufweisen. Auf dem photographischen Bilde sind
beide Arten von Löchern deutlich zu erkennen. Sie stellen
es ausser Zweifel, dass die Stufen des Altars später mit
anderen Steinen überdeckt waren. Wenn wir nun bedenken,
dass die Südstoa allmählich in einen Marmorbau umgeändert
wurde, und dass auch der Tempel, wie wir sehen werden, in
römischer Zeit einen Pronaos aus Marmor erhielt, so dürfen
wir schliessen, dass der alte Altar aus Trachyt später eine
Verkleidung aus Marmor erhalten hat. Die Zeit dieses Um-
baues lässt sich vielleicht durch die erwähnten zwei Abbil-
dungen des Altars bestimmen; sie müsste zwischen der Zeit
der Münze (Antoninus Pius) und der spätrömischen Zeit des
Balustraden-Reliefs liegen. Wir besitzen mehrere in der Nähe
des Altars gefundene Werkstücke aus Marmor, die zu einer
solchen Verkleidung des alten Altars gehören können,
nämlich eine Stufe, eine Ortliostatenplatte mit der Inschrift
MI1EH (unten Nr. 26) und ein Stück eines als Verkleidung
dienenden Gebälks mit der Inschrift OlllON; doch können
wir die Zugehörigkeit noch nicht sicher beweisen und ver-
zichten daher auf ihre nähere Beschreibung, in der Hoffnung,

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXV

26
loading ...