Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 382
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382 W. DÖRPFELD. I. DIE BAUWERKE

Eine Überraschung bot uns der Fries. Da alle Bauglie-
der des Tempels aus Trachyt bestehen, hatten wir auch einen
Fries aus diesem Material oder aber nach Analogie anderer
ionischer Bauten (z. B. der von Priene) überhaupt keinen
Fries erwartet. Als dann Steine eines noch aus griechischer
Zeit stammenden Marmorfrieses mit Bukranien und Guir-
landen ausgegraben wurden, glaubten wir sie zunächst zum
Altar oder zu einer grossen Basis rechnen zu dürfen. Aber
einerseits bestand der Altar, wie sich bald zeigte, in griechi-
scher Zeit ebenfalls aus Trachyt und hatte erst in römischer
Zeit eine Marmorverkleidung erhalten. Und anderseits be-
lehrten uns die Oberflächen der Trachyt-Architrave des Tem-
pels, dass auf ihnen einst ein Fries aus hochkantigen Platten
gelegen hatte. Als dann neben dem Tempel mehrere jener
Reliefplatten noch in ihrer Falllage auf den Tempelstufen
zum Vorschein kamen, konnten wir nicht mehr daran zwei-
feln, dass der marmorne Fries zum Tempel gehört hat. Auf
Tafel XXI sieht man im römischen Pronaos mehrere dieser
Friesstücke auf den Architraven mit der älteren Inschrift
zusammengelegt. Dieselben Steine werden auf Tafel XX 4
in grösserem Maasstabe veröffentlicht.

Über dem Friese lagen einst Geisa aus Trachyt mit
ionischem Zahnschnitt; ein Stück ist in beiden Bildern auf
dem Friese liegend zu erkennen, von einem anderen sieht
man auf Tafel XXI etwas rechts von dem Ende des xArchi-
traves den Zahnschnitt. Der auf dem Ende des Architravs
liegende Stein ist ein Eckgeisonstück mit dem Ansatz des
ansteigenden Giebelgesimses und mit der Standplatte eines
Akroterions. Die Fassade des griechischen Tempels war also
sicher mit einem Giebel ausgestattet.

Zeigte schon die abweichende Architektur, dass der
Tempel nicht aus der Zeit des Propylons und der Stoen, also
nicht aus der Zeit der Königin Apollonis stammt, so Hessen
die Formen der Buchstaben der Inschrift und die weitere
Erkenntnis, dass der Name des Philetairos am fehlenden
Anfänge der Inschrift ergänzt werden musste, keinen Zweifel
mehr darüber, dass unser Tempel von dem Begründer der
pergamenischen Dynastie erbaut ist. Wir besitzen in ihm also
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