Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 386
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W. DORPFELD.

I. DIE BAUWERKE

stellenden Mauern sowie der dazu gehörenden zerstreuten
Marmorstücke erlaubten einen Reconstructionsversuch. Da-
bei hat sich aber nichts gefunden, was erlauben würde, den
Bau, wie es zuweilen geschieht, als Thermenanlage zu be-
zeichnen. So lange nicht durch Grabungen eine vollkom-
mene Sicherheit über die Bestimmung des Baues erlangt
wird, kann man bei der alten, nicht unrichtigen Benennung
"Basilica’ bleiben. Der Bau hat im Laufe der Zeit mehrere
Umbauten erlebt, welche bei der Aufnahme deutlich zum
Vorschein kamen: zuerst in spätrömischer Zeit, als die Räume
zwischen den Rundtürmen und dem Mittelschiff mit mächti-
gen Gewölben überspannt wurden; dann in frühchristlicher
Zeit, als bei dem Umbau zu einer christlichen Kirche die
grosse, nach Osten gerichtete Nische des Mittelbaues durch
eine nach der entgegengesetzten Seite gerichtete halbrunde
Apsis ersetzt wurde. Die grosse innere Raumwirkung wird
hoffentlich nächstens wieder zur Geltung kommen durch die
beabsichtigte Entfernung der zahlreichen Anbauten, welche
jetzt den Gesamteindruck entstellen.

Ein anderes, auch noch im Hochbau erhaltenes Denk-
mal, das Amphitheater, ist im Westteile der Stadt durch ge-
schickte Benutzung der Talabhänge über einem kleinen
Bach errichtet. Die hohen Nischen und Gewölbe, in vor-
züglicher Keilschnittfügung erbaut, entbehren der üblichen
Marmorverkleidung. Kunstformen sind hier überhaupt in
reducierter Fassung verwendet. Trotz der durchgeführten
guten Technik geht der Bau einem raschen Verfall entge-
gen; von Jahr zu Jahr verschwindet er mehr, so dass eine
genaue Aufnahme des gegenwärtigen Zustandes dringend

o ö o o o

notwendig war. Die Entstehung des Amphitheaters kann mit
ziemlicher Sicherheit in die erste Hälfte des zweiten Jahrhun-
derts nach Chr. gesetzt werden.

Das älteste sicher datierte Denkmal des römischen Per-
gamon ist ein Bau mit der Inschrift des Scipio Nasica, von
dem bisher leider nur Gebälkstücke erhalten sind (vgl. unten
Inschrift Nr. 77). Nach dem Fundort dieser Steine muss der
Bau auf dem rechten Ufer des Selinus westlich von der Front
der Kisil-Avli gelegen haben.
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