Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 388
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W. DORPFELD.

I. DIE BAUWERKE

und ihrer vielen kleinen Nischen darf sie mit grosser Wahr-
scheinlichkeit für ein Columbarium gehalten werden».

5. DER GRABHÜGEL JIGMA-TEPEH.

Im Berichte über die Grabungen 1906-7 (AM. XXXIII
1908,366) hatte ich schon eine Mitteilung gemacht über
die erste Untersuchung des Jigma-Tepeh, des grössten der
isolierten Grabhügel bei Pergamon. Da der Hügel unzweifel-
haft künstlich angeschüttet und mit einer kreisrunden Mauer
eingefasst war, und da die kleineren Nachbarhügel sich be-
reits als Gräber herausgestellt hatten, so musste auch er ein
Grabhügel sein. Seine bedeutende Grösse (sein Umfang
misst etwa 500 m) Hess ferner auf ein Königsgrab schlies-
sen, und dabei wiesen Material und Bauart der Ringmauer
auf die Zeit der pergamenischen Könige hin. So durften
wir der Erforschung des Inneren mit grosser Spannung
entgegensehen.

Nachdem ein erster Versuch, vermittelst eines unterirdi-
schen Tunnels ins Innere zu dringen, wegen zu geringer
Stärke der verwendeten Hölzer missglückt war, und nach-
dem sich auch die Herstellung eines offenen Durchschnittes
wegen der Höhe des Hügels (c. 35 m) und wegen seines losen
Kies-Materials, das keine steilen Böschungen gestattet, als
zu kostspielig herausgestellt hatte, mussten wir wieder zum
unterirdischen Betriebe übergehen. In den beiden Jahren
1908 und 1909 haben wir einen mit starken Grubenhölzern
ausgezimmerten unterirdischen Stollen in den Hügel getrie-
ben, so hoch und breit, dass die Arbeiter bequem stehen und
die Wagen der Feldbahn hineinlaufen konnten. Die Sohle
des Stollens liegt etwas unterhalb des antiken Bodens, wie
er vor Anschüttung des Hügels war, sodass wir beim Vor-
dringen immer den alten Humusboden und darüber die
Anschüttung erkennen konnten. Auf diese Weise hofften
wir die Grabkammer oder den Sarkophag, die wir im Inne-
ren des Hügels erwarteten, am ehesten auffinden zu kön-
nen. Auch wenn das Grab tief unterhalb des antiken Bo-
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