Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 391
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.17
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29170.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.29170#0403
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1910/0403
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1908-1909

391

ben wir auch nicht nur im Centrum des Hügels, sondern
auch in dem Längsstollen und in allen Querstollen viele
Löcher von mehreren Metern Tiefe gemacht, ohne etwas
anderes als Kies zu finden. Aber das Grab kann vielleicht
über unserem Stollen mitten im Hügel liegen, wie bekannt-
lich in einigen Pyramiden Aegyptens die Grabkammer in
der Höhe angebracht ist. Falls das Grab unseres Tumu-
lus eine gemauerte Grabkammer sein sollte, scheint mir
diese Möglichkeit jedoch so gut wie ausgeschlossen, denn
eine Kammer kann nicht auf angeschüttetem Boden er-
baut werden. Sollte das Grab dagegen ein einfacher Sarko-
phag sein, so wäre allerdings eine Aufstellung in beliebiger
Höhe des Hügels möglich. Es ist sogar ein Umstand vor-
handen, der zu Gunsten dieser zweiten Möglichkeit ange-
führt werden kann:

Bei der Herstellung unserer Stollen zeigte sich der Kies
des Hügels fester, solange wir uns nicht weiter als etwa 10-
12 m vom Centrum des Hügels entfernten. Der Kies des
Hügelkernes enthielt mehr Humus und war infolgedessen so
fest, dass wir dort unsere Stollen zunächst ohne Seiten Ver-
schalung vortreiben konnten; erst nach einiger Zeit began-
nen die seitlichen Erd wände einzustürzen und mussten ge-
stützt werden. Die Linie, wo der festere Kern aufhört und
der lose äussere Kies beginnt, war in allen Querstollen zu
erkennen und ist in unserem Durchschnitt als kleiner Kegel
angegeben. In der Mitte des Hügels befindet sich also ein
festerer Kern, hergestellt mit dem Humusboden, den man
ausserhalb der Ringmauer des Grabhügels abgehoben hatte.
Um den Hügel zu vergrössern, hat man sodann ausserhalb
der Ringmauer tiefer hinabgegraben und den dort gewonne-
nen reinen Kies über dem Kernhügel angeschüttet. Auf diese
Weise ist der breite und tiefe Graben entstanden, der jetzt
den Hügel umgibt und ihn noch höher erscheinen lässt, als
er in Wirklichkeit ist. Die Tatsache, dass der innere festere
Kern sich von dem äusseren Teile des Hügels abhebt, lässt
es möglich erscheinen, dass eine Zeit lang nur der kleine
innere Hügel bestanden hat.

Auf diesem Kernhügel kann möglicherweise der Sarko-
loading ...