Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 440
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H. HEPDING.

II. DIE INSCHRIFTEN

Regierungsjahre Eumenes’ II., zwischen 166 und 159, ist sie
gestorben (Fränkel, I.v. P. I S. 88). Es ist wohl kaum möglich,
aus den Schriftformen den Bau genauer zu datieren. Die
c quadratischen’ Z und M kommen schon unter Attalos I. vor,
das schmale D ist mir in dieser Form aus den pergameni-
schen Inschriften nicht bekannt. Der Umstand, dass die Kö-
nigin noch in Trachyt baut, lässt sich auch nicht für die
Datierung heranziehen, da ja auch Trachytbauten wie der
untere Markt und die Gymnasien erst der grossen Stadter-
weiterung Eumenes’ II. angehören; jedoch s. die Ausführun-
gen Dörpfelds oben S. 360 f.

Während die Weihinschrift des Philetairos und Eumenes
auf dem Architrav des Tempels nur der Demeter gilt, werden
hier nun Demeter und Kore, die Oeapocpöpoi, als die Herrin-
nen des Heiligtums bezeichnet. Da die Sitzstufenreihen vor
der Nordhalle des Bezirks kaum anders erklärt werden kön-
nen denn als deatgov für die Teilnehmer an dem Kult der
Göttinnen, und die Parallele zu den ringsum laufenden Stu-
fen des eleusinischen Telesterion kaum zu verkennen ist
(s. oben Dörpfeld S. 370), werden wir annehmen dürfen, dass
hier wenigstens zur Zeit der Apollonis auch Mysterien ge-
feiert wurden. Ob diese eine Fortsetzung altheimischer Wei-
hen sind, oder ob das kleinasiatische Athen sich darin auch
etwa Eleusis zum Muster genommen hatte, oder ob gerade
die fromme Apollonis aus ihrer Vaterstadt diese Mysterien
eingeführt hat, lässt sich, bis jetzt wenigstens, nicht sagen.
Kyzikos war ja eine Hauptpflegestätte des Kults der Köqt],
der dort als Kögq SooteiQa auch Mysterien gefeiert wurden
(M. P. Nilsson, Griech. Feste 360). Für die Beziehung zu Kyzi-
kos könnte man die Tatsache anführen, dass auf zwei perga-
menischen Münzen der Kaiserzeit (s. unten S. 442) 1. und r.
vom Demeter-Altar je eine von einer Schlange umwundene
brennende Fackel steht, genau wie wir sie auf zahlreichen
Münzen aus Kyzikos sehen (z. B. Brit. Mus. Catal. of Coins,
Mysia Taf. XI 7, 8, XII 5, 9, XIII 2, 6, XIV 2) b Einen gros-

1 Vgl. darüber die Vermutungen von L. R. Farneil, The cults of the
Greek States III 229 f., der darin eine Anspielung gerade auf Thesmopho-
ria sieht.
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