Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 461
DOI Heft: 10.11588/diglit.29170.17
DOI Artikel: 10.11588/diglit.29170.26
DOI Seite: 10.11588/diglit.29170#0473
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1910/0473
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1908 -1909

461

sein Gegenstück gehabt hat, weiht Iulia Pia für ihren Gat-
ten Claudius Silianus, die beiden anderen der Myste L. Castri-
cius Paulus auf ein Traumgesicht hin. Zunächst denkt man
an den Einfluss der römischen Religion, in der ja Fides, Con-
cordia und Virtus eine grosse Rolle spielen. Aber es gibt
doch auch schon sehr alte griechische Belege für sie. Für
Pergamon haben wir aus 147/6 v. Chr. ein Zeugnis für den
Kult der ’A^etrj (AM. XXXII 1907, 312 Nr. 34), auf der Apo-
theose Homers sind u. a. WgsTrj und Iliau? dargestellt; 'Opo-
vom und ’A^etrj werden Töchter des Soonjp und der ripaLSixi]
genannt (Gruppe, a. a. O. 1078,8), und zu I. v. P. 310 erinnert
Deubner, a. a. O. 2074, dass die Zusammenstellung von ’Apstfj
und Hootppoö'uvr) als Paar 'auch sonst in griechischen Vorstel-
lungskreisen nachweisbar ist’. 'Opövoia erhält schon 364 v.
Chr. einen Altar in Olympia (Weniger, Klio IX 1909,300); in
einem Orgeonendecret von 302/1 v. Chr. wird die Errichtung
einer Statue einer AiprfjrriQ 'Opövoia erwähnt (Syll.1 2 726; s.
Maass, Orpheus 74 Anm. 96); ein IsQoopEvog xr\q Kopr^ widmet
in Kyzikos üeav 'Opövoiav rf) jtcxtqiSi (Deubner, a. a. O. 2137),
in ephesischen Mysterien wurde cO|iövoia dargestellt (Anc.
Gr. Inscr. Br. Mus. III Nr. DC, 19). In den Darstellungen er-
scheinen 'Opövoia und ritanc; gelegentlich im Typus der De-
meter b Weitere Belege s. in der angeführten Literatur, ich
trage nach für ’AQexfj die Statue an der Bibliothek des Celsus
in Ephesos (Oest. Jahresh. VII 1904, Beibl. 53) und ein Relief
aus Philadelpheia (Denkschr. d. Wien. Akad. 53 II 34 Nr. 55),
für 'Ofiövoia Inschr. v. Priene 111 Z. 198 (Anf. d. I. Jh. v. Chr.),
für riiotis Reitzenstein, Die heilenist. Mysterienrel. 85 f.

43. Sieben nicht an einander passende Stücke einer gros-
sen Platte aus graublauem Marmor mit sehr starken weissen
Adern, gefunden 1908 im Bau H, nördlich oberhalb des Tem-
pels des oberen Gymnasions. Die Platte war oben und unten
glatt und ringsum mit einer flachen architravartigen, an den
Ecken verkröpften Profilierung versehen. Zwei der Stücke

1 Die ältesten Darstellungen solcher Personificationen erscheinen im

Kreise des attischen Vasenmalers Meidias. Vgl. Nicole, Meidias Genf 1908
und Ducati, Atti d. Lincei 1909, 93 ff.
loading ...