Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 464
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H. HEPDING.

II. DIE INSCHRIFTEN

Ei)[xgvr]g (DiAetcupoii
■'Attodov tov inöv.

Über dem zweiten E von Ei)|iivr|g ist ganz nahe unter dem
Profil ein 0,02 h. C dünn eingeritzt, als ob der Steinmetz
ursprünglich hier habe die Aufschrift beginnen wollen. Die
Aufschrift ist das Gegenstück zu der von P. Jacobsthal, AM.
XXXIII 1908, 405 Nr. 34 veröffentlichten: <EiAgT0UQo<; ’Atra-
Xov | Eüpevr] tov uiöv, nur bietet sie der Erklärung noch grös-
sere Schwierigkeiten. Man wird ihnen auch hier nicht dadurch
aus dem Weg gehen wollen, dass man 'ein Spiel des Zufalls3
annimmt und r Philetairos, Eumenes und Attalos für perga-
menische Privatleute" erklärt, sondern wird auch hier eine
Deutung auf Mitglieder der Attalidendynastie versuchen. Dass
der Philetairos der Inschrift OGI. 750 (vgl. A. J. Reinach, Rev.
q^rch., ser. IV, XI11 908,1 86 n.1) oder Philetairos, der Sohn Atta-
los’ I., einen Sohn Eumenes und einen Enkel Attalos gehabt
hätte, ist nicht bekannt, auch kaum wahrscheinlich; denn
Attalos III. war schon der letzte seines Stammes. Es bleibt
daher, glaube ich, nichts anderes übrig als anzunehmen, dass
die Statue von Eumenes I. errichtet war, den ja der Begrün-
der der Dynastie adoptiert hatte. Eumenes I. starb auch kin-
derlos; nur nach der schon angeführten Inschrift OGI. 750
hat man es für möglich gehalten, dass er einen Sohn Phile-
tairos gehabt habe, der aber schon vor dem Tod seines Vaters
gestorben sein müsste. Ist also die Beziehung unserer Inschrift
auf Eumenes I. richtig, so müssen wir daraus schliessen, dass
er einen Sohn i\ttalos gehabt habe, von dem wir bisher nichts
wussten, und der also auch vor ihm gestorben wäre. Oder wir
müssen annehmen, dass er, weil er kinderlos war, ebenso wie
vorher Philetairos ihn, seinen jungen Vetter Attalos I. als künf-
tigen Nachfolger adoptiert habe (Attalos I. war, als Eumenes
nach 23 jähriger Regierung starb, erst etwa 28 Jahre alt; s.
Wilcken bei Paulv-Wissowa II 2159). Ich halte diese zweite
Möglichkeit für durchaus discutabel, da es im Interesse der
jungen Dynastie liegen musste, dass über die Erbfolge kein
Zweifel entstehen konnte. Im Wortlaut und in der Anordnung
entspricht unsere Inschrift genau der Weihung der Statue Eu-
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