Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 496
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H. HEPDING.

III. DIE EINZELFUNDE

Bruch befindet sich der obere Teil eines grossen Dübellochs,
in einer Gewandfalte in der Mitte des 1. Oberschenkels sind
übereinander zwei Stiftlöcher, in deren oberem noch ein klei-
ner, roh mit Blei befestigter Eisenstift steckt. Hinten und an
den Seiten ist der Torso stark versintert, r. verwittert.

Viel lebhafter bewegt ist die durch Flügel deutlich als
Nike charakterisierte Figur Nr. 4, ebenfalls im r. offenen Pe-
plos mit langem Überfall; er ist straff unter den Brüsten mit
einer in herakleischem Knoten geknüpften runden Schnur
gegürtet, deren in Schlangenlinien herabfallende Enden je
in drei Troddeln ausgehen, ein Motiv, das sich gerade in der
pergamenischen Kunst öfter findet (vgl. z. B. A. v. P. VII
Nr. 55 und 84). Mit erhobenem r. Arm stürmt sie vorwärts
eben streckt sie gerade das r. Bein vor. Der, vom Beschauer
aus gesehen, von 1. her wehende Wind fängt sich in dem
flatternden Gewand, dessen dünner Stoff sich eng anschmiegt,
sodass die Körperformen, sogar der Nabel deutlich erkennbar
sind. Auch hier sind an manchen Stellen, allerdings auf der
Abbildung nicht erkennbar, die Liegefalten angedeutet. Be-
merkenswert ist noch die eingenähte kleine schwere Kugel
an dem einen Zipfel des Überfalls, die zugleich durch eine
kleine Bosse diesen mit der Hauptmasse des Gewands ver-
bindet. Die Ränder des Überfalls sind sehr beschädigt, die
ganze r. Seite stark verwittert. Die Rückseite ist nur im obe-
ren Teil angelegt, unten unausgeführt. Zwischen den Flügel-
ansätzen— nur von dem r. ist ein grösseres Stück erhalten—
befindet sich ein viereckiges Dübelloch mit Resten des Blei-
vergusses; wie bei der Figur Nr. 3 ist auch bei dieser noch
unten im Bruch zwischen den Beinen zu erkennen, dass sie
hier mit einem starken Dübel von hinten aus befestigt war.

Der Grösse und der ganzen xArbeit nach stellt sich zu
diesen beiden Figuren noch ein dritter, schon 1907 südlich
unterhalb des oberen Gymnasion-Tempels gefundener Torso
ebenfalls von einer Nike (Phot. 1 373.1682 II), 0,29 h., auch
in stark bewegtem, unter den Brüsten mit runder, in hera-
kleischem Knoten gebundener Schnur hochgegürtetem Ge-
wand, auf dem ebenfalls die Liegefalten angedeutet sind.
Die r. Brust ist entblösst, da sich hier das Gewand auf
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