Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 497
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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1908-1909

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der Schulter gelöst hat und über den Gürtel herabhängt.
Es war mir schon bei der Auffindung der beiden ersten
Figuren ihre Ähnlichkeit mit diesem Stück aufgefallen, den
sicheren Beweis für seine Zugehörigkeit lieferte erst ein an-
derer Fund. Ebenfalls zwischen Demeter-Keller und Stütz-
mauer wurden nämlich drei neue Fragmente der von Jacobs-
thal, AM. XXXIII 1908, 433 behandelten kleinen Aphro-
dite auf dem Schwan ausgegraben: das eine, der 1. in
den Mantel gehüllte Unterarm, passt an das 1907 zusammen
mit jenem Nike-Torso gefundene Stück des Schwans mit
der 1. Hand an (Phot. 1666; jetzt 0,215 h.), ferner ein Flügel-
stiickclien und die ausserordentlich schön gearbeitete r. Hälfte
des Körpers der Göttin in hochgegürtetem, auf der Schulter
mit runder Agraffe zusammengeheftetem Gewand aus einem
feinen, gewellten Stoff, der nur oben am Hals einen schmalen
glatten Saum hat. Der seitwärts ausgestreckte, nackte r. Arm
hielt den grossen Mantel, der sich in wenigen Falten im Winde
bläht und von dem sich der Körper der Göttin wirkungsvoll
abhebt; die Rückseite ist nicht ausgeführt (Phot.1 665 , 0,16 h.).
Der Schwan flog nach r., vom Beschauer aus. Zu der von
Jacobsthal angeführten Litteratur über das Motiv weist mir
noch Hackl Furtwänglers Behandlung zu Brunn-Bruekmann,
Denkm. 577 nach. Jedenfalls ist unsere Gruppe ein hübsches
Erzeugnis der Kleinkunst der Königszeit gewesen.

Mit dem letzten Nike-Torso und dem Stück des Schwans
waren 1907 nach Ausweis des Tagebuchs noch 'mehrere
Reste von Flügeln und Gewandstatuen' ausgegraben worden.
Es gelang mir, noch je ein anpassendes Unterschenkelstück
zu den beiden ersten Figuren aus der Masse der unbedeuten-
den Fragmente der letzten Jahre herauszufinden; die Zuge-
hörigkeit vieler anderer Bruchstücke, die nach der Grösse
auch dazu passen könnten, lässt sich leider nicht erweisen,
da jetzt nicht mehr festgestellt werden kann, wo sie gefun-
den sind. Eines (Phot. 1682 I) davon ist vielleicht als r. Unter-
schenkel der Nike Nr. 4 zuzuweisen; eine r. Hand, die eine
dicke, knorrige Stange fasst (Phot. 1 772), könnte auch hinzu-
gehören, man würde dann, wie mir Hackl zeigte, daraus
schliessen können, dass eine der Niken ein Tropaion trug.
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