Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 509
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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1908- 1909 509

beros war also auf der r. Hälfte der Platte dargestellt. Über
der Stelle, wo die Köpfe zusammen gewachsen sind, befindet
sich ein merkwürdiger Aufsatz, er sieht aus wie eine in einer
flachen Schale liegende Kugel. Man denkt zuerst etwa an
die Sonnenscheibe zwischen den Hörnern bei ägyptischen
Gottheiten. Ich kenne keine Parallele dafür aus anderen Ker-
beros-Darstellungen. Vielleicht sollen es die Himmelslichter
Sonne und Mond sein, über dem Repräsentanten der Unter-
welt? A. Brückner verweist mich auf den Ornamentstreifen
über dem Pinax der Nannion (zuletzt abgebildet bei Farn eil,
The Cults of the Greek States III pl. XVI, vgl. jedoch darüber
Pringsheim, Archaeol. Beitr. 65, 2), Schazmann auf zwei römi-
sche Lampen mit Athena Panthea im Bull, archeol. du Comite
d. trav. histor. 1907, 361 pkXLII 1, auf denen Discus und
Halbmond als Kultsymbole orientalischer Gottheiten erschei-
nen. Jedenfalls sollte der Kerberos alle Schrecken der Unter-
welt den Gläubigen in Erinnerung rufen und sie mahnen,
sich dagegen durch die beseligende Mysterienweihe zu feien;
wurde doch sogar von Herakles erzählt, dass er, als er den
Auftrag erhielt, das dreiköpfige Ungeheuer aus dem Hades
heraufzuholen, axgog toätov xöv ädlov ivtcüaßdbv cruvoioerv cdkü),
rcapfjUfev eig xag ’Aüfjvu? xal perea/s rcöv ev ’E^enalvi pvorrpHOOv
(Diodor IV 25,1; cf. Jacoby, Das Marmor Parium 83). Mit
Recht vermutet Immisch (Roschers Lexikon II 1122) für
diese Nachricht attisch-eleusinischen Ursprung.

Das Gegenstück dazu ist die beinahe vollständig erhal-
tene Platte Taf. XXIX 2 (Phot. 1801), 0,89 h., 1,725 br. und
bis zu 0,19t.; die Profile sind auf beiden Seiten zum Teil
sehr stark beschädigt; an den Schmalseiten flache Aushöh-
lungen für die Säulen; oben in der Mitte auch die tiefe
längliche Einarbeitung wie bei der Kerberos - Schranke.
Links sind viele Stücke abgebrochen, der grössere Teil
davon ist jedoch noch erhalten und wieder angefügt wor-
den. Auf der Vorderseite steht in der Mitte Demeter
in langem, über dem Überfall mit einer dicken, gedrehten
Schnur hoch gegürtetem Armeichiton, über den ein klei-
ner Mantel gelegt ist, man versteht nicht recht wie1: er ist
1 Vgl. die Bronze-Statuette bei Reinach, Repert. II 241, 2.
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