Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 510
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H. HEPDING.

III. DIE EINZELFUNDE

von der rechten Hüfte her über die 1. Schulter geworfen,
von der hinten jedenfalls seine beiden Enden herabhängen.
In dem mitten gescheitelten Haar, von dem zwei lange
Strähnen auf die Schultern fallen, trägt sie einen Kranz1,
die L. hält eine lange, auf dem Boden aufstehende brennende
Fackel, die ausgestreckte R. eine Schale. Durch die Fackel
wird sie als die Göttin der Mysterien gekennzeichnet, s.
Gruppe, Griech. Mythol. 1186,5. Vielleicht darf man nach
dieser Darstellung vermuten, dass auch das Kultbild der
Demeter im Tempel in der L. die Fackel und in der ausge-
streckten R. eine Schale gehalten habe (vgl. etwa die Statue
des Museo Torlonia bei Reinach, Repert. II 242, 9, und dazu
Ruhland, Die eleusin. Göttinnen 97 f.)—Demeter ist in ihrem
heiligen Bezirk dargestellt, zu ihrer L. etwas zurück steht ein
auf der Vorderseite mit einer Guirlande geschmückter Altar
(vgl. etwa A.v. P. VII 2 Nr. 422) mit xA.kroterien in Palmetten-
form, zwischen denen eine scheinbar durchbrochene Umrah-
mung aus Ranken verläuft; auf dem Altar lodert eine plump
ausgeführte, mächtige Flamme nach rechts hin. R. daneben
steht eine starke, in ihren Einzelheiten sorgfältig ausgearbei-
tete brennende Fackel, wie eine Pflanze zwischen zwei Blättern
aus dem Boden hervorwachsend (das Vorbild dafür sind etwa
die Fackeln an den Schmalseiten der Reliefplatten A. v. P.
VII 2 Nr. 406, wo der Schaft aus einem Akanthoskelch em-
porsteigt); wir sahen schon oben S. 375, dass neben dem gros-
sen Altar im Demeter-Bezirk wahrscheinlich solche grosse
Fackeln gestanden haben. L. im Hintergrund offenbar eine
Cypresse (wenigstens kann ich keine bessere Deutung dafür
finden), nach Servius zur Aen. III 681 der Proserpina heilig
(Roschers Lexikon II 1336); vgl. auch Claudian de raptu
Proserp. III, 370 ff. Davor steht, ganz merkwürdig, auf zwei
niedrigen, oben profilierten Postamenten ein Zebustier, wie
man sie auch heute noch in Pergamon sieht, mit einem Gurt

1 Demeter führt oft den Namen eüatecpavoc, xoAAo-cecpavog; s. Gruppe,
Griech. Mythol. 1179, 2. Mjortenkränze gehören zur Tracht der Mysten, s.
Pringsheim, Archaeolog. Beitr. 14f. Er ist also vielleicht auch ein Hinweis
auf die Mysterien,
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