Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 517
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DIE ARBEITEN ZU PERGAMON 1 908 - 1 909

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Hände fassen das Gewand an den Seiten in gleicher Höhe.
Wie die Fiisse unterstützt waren, lässt sich nicht mehr er-
kennen, die hinteren Gewandpartien sind unten vollständig.
Der Tischfuss ist ein gutes Erzeugnis des hellenistischen
Kunsthandwerks.

Der weitaus bedeutsamste Fund der beiden Campagnen
ist das grosse Relieffragment aus weissem Marmor, Taf.
XXVII 2.3 (Phot. 1692-1 694, 2057, 2059; 1,115 h., 0,87 br., 0,10
bis etwa 0,40 t.). Es diente in spätrömischer Zeit als eine
der Deckplatten des grossen Abflusscanals im Hofe 4 der
Ostthermen und ist daher stark versintert. Oben und r. voll-
ständig, hinten rauh, 1. und unten gebrochen. Obenauf ganz
r. ein tiefes viereckiges Klammerloch mit Bettung nach hin-
ten, r. daran ein weniger tiefes viereckiges Dübelloch. Dar-
gestellt ist ein auf einem hochlehnigen Thron nach 1. hin
sitzender kräftiger Mann mit nacktem Oberkörper. Über den
Sitz ist ein Löwenfell gebreitet, dessen Kopf abgesprungen
ist; aber in der Bruchfläche erkennt man doch noch die Au-
genschlitze und den Rachen. Unter dem Löwenkopfe r. zwei
Stiftlöcher. Die Seitenlehne des Throns wurde von einer
kleinen Sphinx getragen, deren Oberfläche allerdings jetzt
zerstört ist (das Motiv war sehr beliebt, s. z. B. A. Koeppen
und C. Breuer, Geschichte des Möbels (1909) 1 29 ff.; Farneil,
The Cults of the Greek States III 278), der vordere Abschluss
der Seitenlehne, vielleicht in der Form eines Widderkopfs,
war mit einem runden Stift angestückt. Dem Thronenden
ist sein Mantel von den Schultern herabgeglitten, sodass er
nur noch den Unterkörper und die Beine umhüllt, die rei-
chen Falten sind tief und ungemein naturwahr ausgearbeitet.
Am 1. Knie war ein kleines Stückchen mit einem Stifte ange-
setzt. Auf der Abb. Taf. XXVII 2 sieht man, wie der Mantel-
zipfel von r. her über das r. Bein nach vorn gelegt ist. Der
Kopf und der r. Arm sind abgebrochen, der 1. Arm war mit
einem viereckigen Dübel und zwei Stiften angestückt, an
dem Oberarmstumpf ist auch noch hinten gleich über der
Schnittfläche ein kleines Stiftloch erhalten. Das Fragment,
das stilistisch dem Telephosfries nahesteht, gehört natürlich
zu einer grösseren Composition, und man wird zunächst dabei
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