Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 35.1910

Seite: 525
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DIE RESULTATE DER AUSGRABUNGEN VON 1910

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eine Hauptaufgabe für die Campagne des nächsten Herb-
stes bilden.

Eine kleine Grabung wurde ferner im Theater der
Akropolis unternommen, um die Geschichte dieses für die
Entwickelung des griechischen Theaters so wichtigen Baues
weiter aufzuklären. Wir fanden neue Stücke der Stützmauer
eines älteren Zuschauerraumes und auch einen kleinen Rest
eines älteren Skenengebäudes. Meine Aufnahme des ganzen
Theaters, die als Ergänzung zu Band IV des Pergamon-Wer-
kes herausgegeben werden soll, hat Herr Architekt Haass
vervollständigt. Endlich wurde noch der Unterbau eines
kleinen Tempels im Ketios-Tale freigelegt.

Neben den Hauptarbeiten in Pergamon selbst wurde von
den Herren Conze und Schazmann noch das Heiligtum der
Göttermutter auf der höchsten Spitze des Gündag unter-
sucht und zum Teil ausgegraben. Es ist das jetzt als Mamurt-
Kelesi bezeichnete Heiligtum, das Strabon 619 als Tempel
der Meter Aspordene anführt und aus dem P. Jacobsthal im
vorigen Berichte eine Altarinschrift veröffentlicht hat (AM.
XXXIII 1908, 403). Der Tempel selbst, der vor ihm liegende
grosse Altar und Teile der Stoen wurden aufgedeckt. Dabei
fanden sich die Architrave von der Front des Tempels mit der
wichtigen Weihinschrift, nach welcher Philetairos, der Sohn
des Attalos, den Tempel der Göttermutter geweiht hat. Es
handelt sich zweifellos um Philetairos den Begründer der
Dynastie der Attaliden. Die Basis des Cultbildes im Tempel
ist älter als dieser selbst und hat wahrscheinlich früher einen
allein stehenden Naiskos mit dem Götterbilde getragen, wie
er auf gefundenen Terracotten dargestellt ist. Auch unter
dem grossen Altar sind die Reste eines älteren Altares ent-
deckt worden. Zahlreiche Terracotten, die in und neben dem
Tempel zu Tage gefördert wurden, zeugen von dem Culte,
den die Göttermutter dort oben im Gebirge genoss. Beson-
dere Erwähnung verdient noch die im heiligen Bezirk gefun-
dene Basis, auf der nach der erhaltenen Inschrift Attalos, der
Sohn des Philetairos, eine Statue seiner Frau Antiochis auf-
gestellt hat. Denn aus diesen Angaben ergibt sich in Verbin-
dung mit anderen Nachrichten eine Verbesserung und Er-
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