Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: XIII
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Vorbericht.

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verjährtes Vorrecht erworben. Von den Dresdner Kunst-
schätzen begeistert schrieb Johann Winckelmann noch von
Dresden aus 1755 seine Gedanken über die Nachahmung
der griechischen Kunstwerke, in welchen der geschärfte Blick
eines Kunstfreundes schon alle Keime seiner in Rom gereiften
unsterblichen Werke fand; in Dresden verfaßte Casanova
seinen trefflichen Oiscorso über die damals noch sehr unvor-
theilhaft aufgeschichteten Antiken, nur darin viel zu schonend,
daß er die gewissenlosen Ueberarbeitungen und Ergänzungen
dieser Marmorbilder nicht laut genug tadelte und dadurch
früh schon vorbereite, was doch früher oder später einmal
geschehen muß, völlige Absonderung und Trennung der
schönsten Torsos und Fragmente von den entstellenden und
verwirrenden Flickwerken und Ansätzen unberufener Kopf-,
Hand- und Fuß-Fabrikanten. Von Dresdner Kunstschätzen
aufgeregt, die er als Vorbereitungen betrachtete, welche den
Schüler über die Alpen hin leiten, rief Herder in seiner
Adrastea sein bekanntes: „Blühe deutsches Florenz,
mit deinen Schätzen der Kunstwelt!" und fand,
als er nun selbst wenige Monate vor seinem Tode 1303 hier
in erquikender Anschauung süße Erinnerungsstunden seiner
italischen Reise feierte, viel mehr, als er erwartet hatte*).
Was an andern Orten erst eingerichtet und gestiftet wird,
besteht durch die Liberalität des jetzigen Königs, dem die

S. Erinnerungen aus dem Leben von Job. Gott-
fried von Herder Th. n. S. 319. vergl. mit Herder's Wer-
k e n zur P h. u. G e s ch. XI. 335.
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