Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: XX
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Vorbericht.

gendgeschichte des obersten Gottes einen Versuch a"fstellen,
wie ein Mythos für die bildende Kunst behandelt und erklärt
werden könne. Als ich diese Abhandlung niederschrieb,
hatte mein mir früh schon sehr theuer gewordener, erprobter
Freund Creuzer den zweitenTheil seiner ganz neu umgear-
beiteten, unendlich bereicherten Symbolik noch nicht
ausgeben lassen können. So sehr ich es gewünscht hatte,
ich konnte darauf noch keine Rücksicht nehmen. Hatte ich
aber auch den ungemein reichen und vielseitig gegliederten
Abschnitt über Zevs darin früher gelesen gehabt, ich würde
Einzelnes bestimmter ausgedrückt, schwerlich aber meine An-
sicht über die reinhistorische Ausdeutung des Mythos, aus
Furcht des leidigen Evhemerismus bezüchtigt zu werden, geän-
dert haben. Creuzer's arcadischer und dodonäischer Zevs
kann doch als Berg- und Eichengott, in seinem ächt telluri-
schen Charakter, einer rohe Bildwerke höchstens nur in
Fetischgestaltcn kennenden pelasgischen Vorwelt von sogenann-
ten Autochthonen zugehören. Wir erkennen, mit Dank für
die vielfache Belehrung, die so vieles enträtselnde und auf
unbezweifelte Aussprüche älterer Deutung gründende alle-
gorische Interpretation und geben gern zu, daß auch schon
in dieser frühen Vorzeit manches Licht von Asien herüber
dämmerte, hierin von den Auslegern, welche alles auf helle-
nischem Boden entsprießen und sich entwickeln lassen, völlig
abweichend: aber für d i e K u n st gilt uns allein der in Erz-
bewaffnung ein Heroengeschlecht hervorrufende kretensische
Olympier, in welchem sich ja, wie wir vor mehren Jahren
in den Vorlesungen über den Zevs zu entwickeln gesucht
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