Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: XXVII
DOI Heft: 10.11588/diglit.9751.1
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0030
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0030
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Vorbericht.

XXVII

weitem Aufklärung dieses Gegenstandes seine Ideen mitzu-
Heilen. Wir kennen sie bis jetzt nur durch Grotefend'e brieft
liche Mittheilungen. Hr. Ritter nimmt an, daß dieseS
Zeichen als eigene Bauverzierungen zwar in Aegypten und
Persien am deutlichsten gefunden wurden, aber auf der einen
Seite mit Indien und der dortigen Lotosarabeske , auf der
andern mit Etrurien und selbst mit altdeutschen Bauwerken
Zusammenhängen.

Es giebt auch in der Mythen-Forschung einen Rationa-
lismus und einen Supernaturalismus, ein reinhistorisches und
spiritualistisches System. Das erstreckt sich bis auf Kleinig-
keiten, bis auf den Ursprung der Tempel-Dreifüße. Wah-
rend die Einen, wie schon Goguet that, den Dreifuß aus
dem allereinfachsten Begriff, daß drei Stützen an einem
Tische, Gefäß, Hausgeräthe schon zureichen und die vierte,
die eine truperm macht, gar nicht nöthig ist, höchst natürlich
ableiten: finden andere viele tausend Jahre vor Silberschlag,
das Trinitatsgehcimniß und nichts geringeres, als wohl gar
die Abschattung der großen indischen Trimurti darin. Und
hat nicht die pythagoräische Dreieck- und Dreiklang-Mystik,
Hst nicht die neuplatonifche Dynamik und Thcurgie wirklich
ihr leibhaftes Gegenbild darin gefunden? Natürlich hat diese
ganz verschiedene, ja entgegengesetzte Ansicht auch auf die
Archäologie des Dreifußes ihren Einfluß gehabt. Hr. Prof.
C. O. Müller hat in der Inauguralschrift, womit er die
Professur der Alterthumskunde in Göttingen antrat, de tri-
pode Delphico, mit ungemeiner Gelehrsamkeit und Com-
binationsgabe die ursprüngliche Deutung des Dreifußes auf
loading ...