Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: XXVIII
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Vorbericht.

bacchische Religionsideen gestellt. So viel ist gewiß, daß
die heilige Mysteriensage den zerstückelten Zagreus-Bacchus
in einem auf einen Dreifuß gestellten Kessel über das Feuer
setzen ließ. Wie weit man aber die ganzen heiligen Dreifuß-
gebrauche davon abstammen lassen will, das hangt mehr von
innerer Ueberzeugungsfähigkeit, als von lindernden Beweisen
von außen ab. Unsere dreiseitige Candelaberbasis im dresdner
Museum hat unstreitig unten und oben bacchische Pflanzen-
und Silen-Verzierungen. Aber diese Basis, so sehr sie
auch die Geschichte des delphischen Dreifußes durch ihre drei
Haupt-Reliefs erläutert, ist doch nicht selbst ein Dreifuß
und auffallend bleibt es immer, daß auf so vielen noch vor-
handenen Vorstellungen alter Bacchusprozessionen die Drei-
füße höchstens einmal als Beute des Triumphes, sonst aber
nirgends unter den zahlreichen dabei gebrauchten Utensilien
und Gefäßen Vorkommen. Doch dem sei, wie ihm wolle,
die als Fortsetzung jener Prolusion hier von dem gelehr-
ten Forscher mitgetheilte erste Abhandlung über die
Trip öden behandelt diesen Gegenstand reinarchäologisch
und mit eben so viel Phantasie als Gelehrsamkeit. Es wäre
nun unsere eigene Schuld, wenn wir nicht recht genau damit
bekannt wären, wie eigentlich und aus wie viel Bestandthei-
len der selbsterklingende delphische Orakeldreifuß ge-
staltet gewesen sei *). So viel wird durch die (aufTafel III.

*) Nur möchte 6'A.juos- und cortina doch wohl ganz' synonym seyn.
Der Begriff einer bloßen Scheibe liegt doch durchaus nicht in diesem
üers eine kuglichte oder cylindrische Höhlung bezcichneuden Worte.
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