Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: XXXIV
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Vorbericht.

noch einige Aufhellung mehr erhalten können, wenn sich ihr
Verfasser auch über die Gesetze des Knöchelspiels, wie es
hier Eros mit Ganymed spielend gedacht wird, antiquarisch
hatte vernehmen lassen wollen. Denn es galt bei diesem
Spiel nicht bloß einen Satz in Geld, Nüssen ?c. durch die
Zahl auf dem Knöchelwürfel, sondern die Knöchelwürfel selbst
dem Besiegten abzugewinnen. So wird es erst recht deut-
lich , warum der schalkhafte Sieger die gewonnene Astraga-
lenfülle trrumphirend an seine Brust drückt! *)

Die Münzkunde ist die sicherste Leuchte bei allen archäolo-
gischen Studien. Sie giebt dem Kunsturtheil über die ver-
schiednen Epochen des griechischen Styls erst volle Festigkeit

*) Weder I. Meursius, noch Senftleben, noch de Pauw haben
in ihren Schriften über die Spiele der Griechen, und über das Wür-
felspiel insbesondre auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, auch
sucht man vergebens in Ficoroni's Monographie i tali ed' altri
strummenti luscri degli antichi Romani ( Rom 1734. Ü1 4 ) dar-
nach, wo man gute Abbildungen von nachgemachten Knöchelwurf, ln in
Ciystall und Metall (?-8L-), aber nichts über die eigentliche Beschaf-
fenheit des Spiels findet. Die einzige befriedigende Nachricht über
die Art von Knöchelspiel, wo der Besitz der Knöchel am Ende selbst
den Gewinn oder Verlust macht, und der, weil er ursprünglich auch
mit kleinen Steinchen gespielt wurde, auch wohl xevTältiSa hieß,
(von Pollur IX. 127. allein genau beschrieben) giebt Winckelmann
in seinen Nachrichten von den neuesten herkiuanischen Entdeckungen
an Fuesly in der neuen Ausgabe seiner Werke Th. II. S. 215.
Das dort erwähnte Monochrom des Malers Alexander von Athen
macht das allererste Bild in den Pitture d’Ercolano T. I. rav. I.
wo zwei Mädchen Aglaja und Hilaira niedergekuiet, (also unfern noch
vorhandenen Knöchelspielerinnen in etwas ähnlich) das Knöchelspiel
treiben. Man sieht, wie sie den Knöchel selbst auf dem Rücken der
vorgeftreckten Hand emporschnellen und dann im Fallen auffangen.
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