Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: XLI
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Vorbericht.

XLI

sind uns aus England mu> Italien sehr interessante Mitthei-
lungen in dieser Classe versprochen worden. Die zu Herrn
O. Osann's sehr anschaulicher Beschreibung des neu ent-
deckten stehenden Hermaphrodits im Museo Borbonico
angefügten Zusätze sollten nur die Idee andeuten, nach wel-
cher wir glauben, daß alle plastischen Werke, die zum hö-
her» Mythos gehören, klassifizirt werden müssen. Sie sind
entweder in Ruhe a) stehend, b) sitzend, fliegend, oder
in Bewegung a) auf- und niederstrebend, b) vorschreitend,
c) in eine Gruppe verbunden. Die Gruppe ist entweder
bloß statuarisch oder dramatisch. Wir sind überzeugt, daß
die alte Kunst fast in jeder gegebenen Figur von nahmhafter
Bedeutung, so bald sie nur ihrer Natur nach nicht gewissen
Stellungen widerstrebte, die meisten Saiten dieses Polychords
durchgespielt und daß fast in jeder Situation und Stellung
irgend ein berühmtes Musterbild eines nahmhaften Meisters
eine große Zahl von Nachahmungen (wo dann auch Münzen,
geschnittene Steine und Malereien in Farben und Mosaik in
Anschlag kommen) erzeugt hat. Bei den rein plastischen
Werken und Statuen aber ist noch die Hauptfrage, ob
Bronze - oder Marmorbilder, ob die Schule Myrons und Ly-
sypps, oder die des Scopas und Praxiteles, die ersten
Muster dazu ausgestellt haben, bei jeder dieser Stellungen,
so weit sich ihnen Nachkommen läßt, zu beherzigen. Wir lassen
uns den Dünkel gewiß am wenigsten beigehn, daß wir z. B.
hier in der Hermaphroditen-Vildnerei auch nur die Hälfte
aller wirklich vorhandenen und irgendwo beschriebenen Werke
antiker Sculptur nach jener Eintheilung nahmhaft gemacht
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