Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 3
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I

Nichts ist schicklicher und den heiligen Satzungen der
alwaltenden Themis angemeßner, als daß auch wir bei
einer Zeitschrift, die vorzüglich den Bildwerken des grie-
chischen Mythenkreifes gewidmet ist, mit einer Vorstellung-
beginncn, die mit dem Vater der Götter und Menschen,
dem wahren Archagetas (nicht bloß Apollo und Aeökulap
führen diese Namen) der hellenischen Vorwelt, dem Zevs
selbst, es zu thun hat.

Wer auch nur einen flüchtigen Blick auf die Alter-
thumskunde in Bildwerken geworfen hat, kennt jenes, wenn
auch in Stoff und Ausführung einer spätem Zeit zugehö-
riges , doch sehr sinnreich gedachtes, allegorisches Relief,
jene Apotheose Homer's, die sich mehr als ein Jahrhun-
dert im Haufe Colonna erhielt, vom Meister Archelaus aus
Priene verfertigt, wo Zevs auf dem obersten Gipfel des
Olympos bequem thront und dem Sängerinnenchor der
neun Musen, durch ihre Vorrednerin, die Thalia, die
ihm mit mimischer Zeichensprache zu antworten scheint,
seine Befehle ertheilt, worauf der alte Lyrische Prophet
Ölen durch die Stiftung des pythischen Orakels, welches
hier in der koryzischen Grotte verwaltet wird, erst den
epischen Hexameter erschaffen muß, ehe der Weltkreis den
verklärten Sänger der Iliade und Odyssee krönen, ehe die
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