Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 4
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von diesem Urdichter ausgegangnen andern Dichtungsarten
ihm, dem Vater, einen kindlichen Hymnus anstimmen
können.

Darum das alte, uns in tausendstimmigen Einklang
aller hellenischen Tempel- und Priesterpoesie entgegentönende
Wort, wie es der Schäfer Damötas dort in Virgils
Hirtenliedern mit komischer Selbstzufriedenheit parodirend
ausspricht: *) **)

Hebt vom Jupiter an, ihr Musen! Jupiters voll ist
Alles! er ordnet die Land', er denkt auch meines Gesanges.

Denn es war, wie dort auch Voß bemerkt, uralte Sitte
der Dichter, Rhapsoden und Wettianger, mit Jupiters
Lob jeden Gesang zu beginnen und zu heiligen. Unsre
alte deutsche Poesie hatte Priameln; die griechische hatte
Proömien, Götter-Anrufungen, die der mit dem Saiten-
spiel praludirende Sänger vorausschickte, ***) und woraus

*) Da die Abbildung, welche in der zunächst zu erwartenden
Fortsetzung des Tischbeinischen Bilder-Homers gegeben werden wird,
noch nicht erschienen ist, bleibt noch immer der auf der zweiten Hülfs-
tafel zum Pio-Clementino T. I. von Visconti gegebene Kupferstich
der beste. Millin, Hirt, Creuzer haben sie verkleinert gegeben
und wo stünde sie nicht sonst noch? Aber die oben angedeutete, alles
durchdringende Hauptidee, welche allein Einheit in das Ganze bringt,
verdient wohl noch eine weitere Ausführung. Nur durch sie wird der
sonderbar musicalische Verein einer dramatisch-abgestufren Gruppen-
stellung ganz begreiflich.

**) Virgils Eclog. III, 60.

***) Man muß hier, wie in vielen andern Beziehungen, die
eigentlich ionische Sangerfamilie der Homeriden von den Rhapsoden
unterscheiden. Von den eigentlichen Homeriden gilt das ausdrückliche
Zeugniß Pindars, daß sie ihre Gesänge mit einer Anrufung des viel-
besungnen [ito\vvnvrj7os) Aevs weiheten. Die spätern Rhapsoden,
die Familie des Kinäthos von der 69. Olympiade an (s. die Scholien
zu Pittdar x. 435- Opp. T. II. edit. Eoekh.) begannen ihre Prob-
mien auch mit dem Apollo und den Musen. Wolf in den Prolegg.
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