Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 6
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.2
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0055
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0055
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
6

bolik zugehötte, Und so mag es in jeder Rücksicht dem
Zwecke unscrs archäologischen Journals entsprechen, wenn
es mit der Erläuterung eines Denkmals den Anfang macht,
Las. auch unserm Beginnen als ein ächtes Proömium im ur-
sprünglichen Sinne voranstehn kann. *)

.Da mit dem.Mythen-Cyclus des Cretensischen Zevs
und seiner Sippschaft zugleich alle Idealisirung des Men-
schenlebens zur olympischen Götterwirthschaft und die im He-
rodot ausgesprochne Bedingung des Hellenismus, mensch-
lich gestaltete Götter, begründet werden: so muß
er auch, wie andere Menschenkinder, geboren, von einer
Amme ernährt, mit allerlei Klängen und Tönen beschwich-
tigt, und — weil was die Fabel verkündete, die Kunst
auch bildete — auch als Kind und mit pflegender Umge-
bung gebildet worden seyn.

Wenn es nun schon überhaupt nach uralter helleni-
scher Priester- und Sängersatzung ganz in der Ordnung
ist, daß man eine auf die alte Kunst berechnete Zeitschrift
mit einem Aufsatz über ein dem Zevs verstellendes Denk-
mal anfange: so mag es auch für weit schicklicher geachtet
werden, zur Geburtsweihe unsers jetzt zum erstenmal ans
Licht tretenden Kunstjournals uns ein Denkmal aus der
Kinderwelt des Gottes, von und mit welchem alles an-
fängt, zur Erläuterung zu wählen. Wir erstatten zuförderst

*) Bekanntlich gehört das Wort xpooipiov zu dem vielseitigsten
im Gebrauche der später» griechischen Schönrednerei, wie schon Hem-
sterhuys zu Lucian T. I. p. 6. ed. Wetst. bemerkt hat. Alles was
wir Vorspiel, Initiative, Präliminare nennen, wurde damit bezeichnet.
Wesseling zum Diodor T. II, p. 531, 49. hat es schon erläutert.
Der Freund der geblümten Rede, der Kirchenvater Basilius, braucht
es oft für den Vorplatz, den ersten Eintritt in eine Gegend, wie
ebenfalls Wesseling zu Hierocles Synecd. p. 674. b. gezeigt hat.
Die Römer fanden in ihrer Sprache kein gleichbedeutendes Wort für
diese weitschichtige Metapher und behielten es also bei, wie aus Ju-
venal in, 2g,8. zur Gnüge erhellet.
loading ...