Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 8
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gegenwärtig noch dort befindet, oder ob es mit so vielen
andern alten Sculpturen dieser Gallerie nach England aus-
gewandert sei, *) ist uns eben so wenig bekannt, als daß
wir über das, was wirklich alt davon oder später ergänzt
ist, eine sichre Auskunft zu geben vermöchten. Denn was
der rastlos sammelnde Zoega erst vorbereitete, und was
sein Biograph als eine der wünschcnswcrthesten Gaben der
forschenden Alterthumskunde ausspricht, **) daß ein reicher
Kunstfreund oder Fürst zu einer Anaglyphographie eben so
die Hand bieten möchte, wie der gewesene französische Kaiser
dem trefflichen Visconti zu seiner Ikonographie die Mittel
darbot, dürfte wohl lange noch nicht in Erfüllung gehen.
Und doch könnte nur ein solches Werk alle Zweifel, die uns
in der Ferne nur nach Abbildungen, nicht nach eigner An-
schauung urtheilenden Liebhabern hierbei aufstoßen können,
zur völligen Befriedigung lösen. Alles was wir davon wis-
sen, beschränkt sich darauf, daß es dem Umfange nach eines
der größten Werke in erhabner Arbeit ist, welche sich erhal-
ten haben, und daher auch in dem Kupferwerke der Giusti-
nianischen Gallerie die Reihe der Marmor - Reliefs anfängt.

Sante Bartoli hat den Stich aus der Gallerie in seinen Admirandis
,ab. 26. nur wiederholt, doch ist der Stich kräftiger und einer der
besten in einem Werke, was doch auch, da ihm alle Kritik fehlt, und
viele Zeichnungen nur von seinen Schülern besorgt worden sind (s.
H. Meyer zu Winkelmanns Werken VI, n. S. 377.) sehr
überschätzt worden ist. Die flachste und untreuste Abbildung ist, wie
immer, in Mo'ntfaucon Antiqu. Expi. T. I. pl. vn.

*) Schon Ramd 0 hr fand die Gallerie sehr geplündert HI. 47-
In der neuesten Zeit ist bekanntlich der Pallast Giustiniani von Lucian
Bonaparte gekauft worden, welcher auch die vorzüglichen Gemälde
und Statuen daraus an sich gebracht haben soll. Schon früher war
vieles nach England gegangen. Die Ueberreste der Gemälde-Gallerie
wurden in Paris an den König von Preußen verkauft.

**) S. Georg Zoega's Leben. Sammlung seiner Briefe und
Benrtheilnng seiner Werke von Fr. Gottl. Welcker. Th. n. S.375.
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