Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 21
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.2
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0070
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0070
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
von gefeieten Dienen, die, um mit Virgil zu reden,
(Landbau IV, 150.)

— dem lauten

Trommelgeroll der Kureten und klappernden Erze gehorsam
2n diktaischer Grotte den Himmelskönig genahret.

Es mag sich wohl mehr als einmal wirklich zugetragen
haben, daß ein junger Bienenschwarm sich auf ein in
Freiem liegendes Kind, selbst wohl auf seinen Mund ge-
setzt hat. Dieß gestaltet sich nun hier als eine Huldigung^-
welche von den Bewohnern der Grotte, den wilden Bienen,
dem hier ernährten kleinen Zevs bewiesen wurde. Sie tru-
gen Honigseim auf seine Lippen! Wie erfindungsreich zeigte
sich sofort die alles fortbildende und stets neues hinzudichtende
Fantasie der Griechen auch in dieser Bienenfabel! Die Ent-
stehung dieser Honigfliegen aus einem in Faulniß übergehen-
den Thierkörper; ihr Znstinct, dem Schall eherner Becken
nachzufliegen, wenn sie schwärmen; das kupferfarbige Anse-
hen einiger besonders großen Arten; der politische, sich
gleichsam in einen geschlossenen Staat vereinigende Sinn
dieser Thierchen und ihre ergrimmte Selbstvertheidigung,
wenn sie gestört werden, wurde in mancherlei Dichtungen
sinnreich ausgesponncn. *) Dasselbe, was dem kleinen Zevs
begegnete, wicderfuhr auch dem jungen Bacchus, dessen Auf-
erziehung mit der des Zevs völlig parallel lauft. **) Von
nun an wird von jedem Sänger oder Redner, von dessen
Lippen der Honig der Ueberredung träufelt, dasselbe gesagt,
was mit Anspielung auf eine bekannte sicilische Hirtenfabel
vom Daphnis, dem schönen Geiöhirten, Thevkrit singt
(VII, 80.)

Wie ihn dann von der Au stumpfnasige Bienen genahret —

Weil ihm die Mus' in den Mund nectarische Süße geträufelt.

*) S. Beilage 6. am Ende des Aufsatzes.

**) So heißt es beim Apollonius IV, 1156. die Nymphe Makris
bestrich die Lippen des kleinen Bacchus mit Honig.
loading ...