Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 22
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Der reinigende Honig wird ein versöhnendes Opfer, wird
der Hauptbestandtheil aller eingeteigten Massen, womit die
Orakelschlangen gefüttert werden, aller Honigfladen, womit
man zürnende Götter besänftigt. Die Essenen oder Könige
der schwärmenden Bienen werden in Ephesus und an allen
Orten, wo patriarchalische Sitten das Herrscher * und Prie-
sterthum verbanden, die Benennung des Priesterthums, und
Melissa (Biene) heißt die sühnende im Dienst der Ceres und
Proftrpina befindliche Priesterin. *)

IV. Aus Ziegenmilch und Honigseim entwickelte sich
spater die Fabel von Ambrosia und Neckar, indem man den
Neckar für eine Quintessenz des Honigs, die Ambrosia für
einen Extract der feinsten Milchspeise hielt, die aber beide
eben so gut gegessen als getrunken werden können. So war
die berühmte Götterkost und jener Trank ewiger Jugend und
Unsterblichkeit, durch deren Genuß in den, jedem irdischen
Mangel entnommenen, Leibern der Unsterblichen nur noch jene
ätherische Flüssigkeit (den ) statt des Blutes erzeugt
wird, ursprünglich doch nur ein Cretensisches Ammenmähr-
chen. Wenn man nach den Scholien zu Pindars Pythien
(IX, 116. p. 405. ed. Boekh.), den Honig schon für
den zehnten Theil der Unsterblichkeit achtete, so ist der trink-
bare Götterhonig nach dem bekannten Fragment des Jbykus
beim Athenaus (II, 8. p. 148. Schw.) neunmal süßer
noch als Honig, und so wird die Steigerung der allersüße-

*) Ueber das Wort isstjv f. Callim. in lov. 66. mit den Scho-
lien und Spanhelms Commentar. Ueber die Melissen, die Nymphen
und Priesterinnen der Ceres und Proserpina, gab gleichfalls Span-
heim zu Callimachus in Apoll. 110. p. 151. f. alle möglichen Col-
lectaneen. vergl. van Goens Animadversiones ad Porphyr, de
antr. Nymph. p. i©g. Aber den ganzen Bienen: Mythus mit allen
Bedeutungen des Honigs und des davon ausgehenden männlichen und
weiblichen Priesterthums hat Creuzer in seiner Symbolik IV,
389-422- mit einer Gelehrsamkeit dnrchgeführt, deren nichts anzu-
sügen ist. Vergl. Stieglitz archaol. Unterhaltungen n, 139-
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