Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 24
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bringenden Bienen muß nun ein sonst nirgends erhörter
Cretensischer König Meliffeus zwei Töchter haben, wovon
die eine Biene (Melissa), die andere Ziege (Amalthca)
heißt, welchen der kleine Jupiter zur Ammenpflege überge-
ben wird. Als Jungfrauen können sie natürlich selbst nicht
Ammendienste verrichten, aber sie bereiten nun aus Ziegen-
milch und Honig dem kleinen Pflegling einen gesunden
Trank und nähren ihn damit. *) Bald kam nun, da auch
Arcadien seine Rolle in dem Gebiet des Zevs zu spielen an-
fing , eine große Zahl anderer Nymphen zur Ehre, Kindwär-
terinnen zu seyn, die wir aus Callimachus und Pausanias
kennen. Allein die gewandteste von allen ist Adrastea. Sie
legte nach Callimachus das Kind in die goldene Frucht-
schwinge und wiegte ihn dort in Schlaf ein. Sie gab dem
Knaben das erste Spielzeug und besonders vielfarbig ge-
schmückte Spielballe, welche dann spater Venus dem Eros
verheißt, wenn er Medeen zur Liebe bethören wolle. **) Bei
solcher Bedienung konnte freilich die Saumutter, an welcher

*) Dreß sagt Dlodor ausdrücklich V, 70. jii'Xi nai ya\.a fiisyov-
Gai to naibiov sSpeijiav. Hygitt Astronom. II, iZ. p. 448- sührt
noch den Melisseus nach Parmeniskus, Lactantius aber I. 22. p. 154.
Vün. die Exegese des Didymus zum Pindar als Gewährsmann an.
Die Nymphe Melissa wird Priesterin und spielt von nun an mit allen
nach ihr benannten Priesterinnen eine große Rolle in dem Ceres-
und Vacchusdienst. S. Creuzer's Symbolik IV, 41 u ff. Man
hatte übrigens allgemein die diätetische Regel im Alterthum, daß die
Ziegenmilch erst durch die Juthat von Honig ein ganz gesunder Trank
werde. Die Stellen aus Galen und andern giebt Bochart imHiero^.
1. II. Lib. IV. c. 12. p. 525. Dieß nennt Tertullian in Stellen,
welche Bünemann zum Lactantius angeführt hat, mellls er lactis
societatem bei der Symbolist'rung der Taufe.

**) S. Callimachus in lov. 47. Die alten Schvlien nennen sie
da die Kuretenschwester. Die Stelle vom Spielball ist beim Apollo-
nius in, rZZ. ff. Alles übrige bei Munker und Staveren zu Hygin
p. 500. f. Vor allen aber Heyne zum Apollodor p. 190.
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