Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 27
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simg zu einer eignen Göttin Abundantia oder Copia murde;
eine gefällige, jeder Gruppirung sich willig fügende Gestalt,
wodurch allein schon ein guter Theil der allegorischen Miß-
geburten unserer modernenZkonologen von Ripa bis Ram-
te r und Pistrucci herab ganz unnöthig wurde. *)

VH. Auch die Spielsachen (crepundia) des kleinen
Zevs spielten eine Rolle in diesen Cretensischen Ueberliefe-
rungen. Vor allen erhielt der ihm von der Erzieherin
Adrastea geschenkte Spielball eine eigene Apotheose. Man
zeigte in den alten Knosischen Mysterien, von welchen gleich
weiter die Rede seyn wird, auch diesen Ball (tf(falpav) nach
Clemens (Protrept. p. 12* Sylb.)* Er war mit goldnen
und blauen Streifen geziert, wie wir aus der Beschreibung
lernen, die Apollonius HI, 132—142. der Venus davon
machen laßt. Es möchte leicht ein Lächeln erregen, wenn
man behauptete, daß der einst in Nürnberg unter den Reichs-
kleinodien so heilig aufbewahrte Reichsapfel in unmittelbarer
Deszendenz von jenem uralten Spielball des Cretensischen
Zevs abstamme. Wenn man aber bedenkt, daß das Ball-
schlagen überhaupt zu den Lieblingsspiclen des heroischen
(Siehe zur Odyssee VI, 100.) und klassischen Alterthums
gehörte, und daß man alle Verschönerungskunst aufbot, um
diesem Spielballe das gefälligste Ansehen zu geben; **) so

göttin durch die griechischen Künstler dieß Attribut erhielten. Hundert
Denkmäler zeigen das Horn in der Hand der Tyche, wo es nach Dio Chry-
sostornus Lobrede auf die Tyche Om. LXIV. p. 591. D. fnjvvtt tj)v
t&v äyaSöov bösiv 7t Kai tvbaijxoviav. Man sehe die Haupt-
stellen beim Pausanias IV, zo VII, 26. die schon Stav eren in den
Mythogr. p. 85i- zusammenstellt und Buonaroti sopra »loun. me-
daglioni p. 226. 307. 343.

*) S. die Beilage O.

*) Man denke an die boabtnasniiTovs <s<palpas in Platos Pbä-
don c. 39. mit Fischers Anmerkung, wo Wyttenbach p- Zo6.
mit Unrecht die Anspielung auf diesen Spielball leugnet. Glaucon

in den Analecten T. II. p.245.1. nennt es puxrijv sfaipav. Andre
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