Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 28
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wird man sich nicht wundern, daß der in Creta geborue
Zevs auf Cretensischen Münzen auf einem solchen Ball sitzend
vorgestellt, das Bild aber spater eine römische Hofallegvrie
bei der Geburt eines kaiserlichen Prinzen wurde. *) Durch
eine leicht erklärbare Verwandlung wird nun aus dieser
Sphära eine Erdkugel, **) auf welche man die den Römern so
holde Siegesgöttin stellte. Nun die Vorstellung, daß diese
Kugel nichts anders sei, als der den Römern unterwürfige
Erdkreis (Orbis Romanus) und die auf Münztypen von
Julius Cäsar an beliebte Allegorie, diese Kugel mit oder
oder ohne Siegesgöttin von den Imperatoren in der Hand
halten zu lassen. ***) Erinnert man sich nun weiter, daß
von Constantin an die Siegesgöttin auf der Kugel dem Kreuze
weichen mußte, und als im Jahr 384» der eifernde Theodor
sius die Siegesgöttin ganz verbannt hatte, das Kreuz allein
noch auf dieser, nach den vier Weltgegenden gleichsam ger
viertheilten Weltkugel herrschte; i) so wird man den

Stellen giebt Jacobs in den Anmerkungen zur Anthologie 1,22g.
Voi. Yir. p. 93.

*) Es sind die mit der Inschrift HO INON KPHTfiN von
Tiberius herab bis auf Marc Aurel gehenden Münzen, auf welchen
der kleine Jupiter auf einer Kugel sitzend und von 7 Planeten umge-
ben dargestellt wird. Zuerst sprach Tristan in seinen Comment.
Iiistoriques T. II, p. 253. davon. S. E ck h e l Doctr. N. V. T. II.
p. 301*

**) Man erinnere sich an die Münze des Commodus in Buona-
rotti XVH, 2, 3. wo Jupiter dem Commodus die Kugel einhandigt.

***) S. Buonarotti sopra alc. med. p. 354. f. Linden-
brog zu Ammian Marcellin XXI, 14. p. 222. Gron.

f) Eines der ältesten Denkmäler, dessen wir erwähnt finden, ist
eine Statue Constantins, deren Nicephorus gedenkt Hm. Eccles.
VII, 49- Sie stand auf einer porphyrnen Säule in Constantinopel
Xpixstov jxijhov (hier hatten wir also schon den Reichsapfel)

77) öggiix riciTfjccaip jcsipi ircävüo Tijxiov riaTEmfjyvv Gravpov.
S. Banduri Chronographia p. 242. Heyne hat ausführlich da-
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