Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 33
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.2
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0082
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0082
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
33

boten worden sind? Manches würde in Absicht auf diese
Mysterien und den ganzen Cretensischen Fabelkreis besser
aufgehellet werden können, wenn neue Reisende diese Gegend,
die Wiege der ganzen Olympischen Götterdynastie und des
dem Fetischismus und Orientalismus entgegengesetzten Helle-
nimus, eben so genau untersucht hätten, als es etwa mit der
Ebene von Troja geschehen ist. Dieß hatte freilich zu der Zeit
am füglichsten geschehen können, als Venedig noch im Besitz
der ganzen Insel Candia war. Es ist uns aber aus jener
Zeit des i6ten Jahrhunderts der einzige Pierre Belon,
ein geachteter Botaniker und Naturalist in Frankreich unter
Franz I. bekannt, der seine naturhistorische Reise in die Levante
in den Jahren 1546 — 1549 machte. Er erzählt, wo er
die Reise auf dem Jda beschreibt, daß zu seiner Zeit noch
das Grab des Jupiter gezeigt worden sei. *) Allein schon
der gründlich forschende, stets wahre Tournefort lächelt
mit Recht über diese Fabelei.**) Unter den Britten, die in
den letzten 25 Jahren diese Gegend in ganzen Zügen durch-
streiften, zeichnetsich verjünge Douglas, welcher in Oxford
studierte und von da aus im Jahr 1811 eine Reise in die
klassische Gegend Griechenlands zum Theil im Gefolge des
edelcn Frederic North, jetzigen Lord Guilford, machte, durch
seine Bemerkung auch über Creta aus. Er durchwanderte
die Grotten und Steinbrüche am Fuße des Jda, wohin Knos-
sus gesetzt wird, und die wir gewöhnlich für den alten Labyr

*) Durch den Don Antonio Calergo, einen in Creta lebenden
Venetianischen Nobile, unterstützt, durchstrich Belon, Pflanzen sam-
melnd, den ganzen Jda. Stirpes inquirentes noctu ad pastOTum
tuguria, in quibus caseos conficere solebant, redibamus et istic
pernoctabamus. Iouis sepulcrum, quäle veteres descripserant,
etiamnum ostenditur, integrum adhuc, itt den Observationibus
libr. I. c. »7. p. 2Z. der Ausgabe von Clusius als Anhang zu
seinen Exoticis, Leiden 1605. in Fol.

**) Voyage du Levant lettre II, T. I. p. 27. der Anartausgabe.
loading ...