Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 36
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.2
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0085
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0085
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
36

oder durch possirliche Sprünge und Kämpfe eine kurzweilige
Unterhaltung gewährt werden soll. Ich erinnere hier nur
statt aller andern Zeugnisse, an jenen Kampf eines Paniskos
mit dem Eros auf einem Hcrculanischen Gemälde und auf
dem Sarkophage im Pallaste Casali, in welchem ich noch
immer nur einen bacchischen Scherz als Beiwerk, nicht aber
den Mittelpunkt der ganzen Vorstellung auf diesem Marmor
finden kann. *) Es läßt sich kaum bezweifeln, daß nicht
auf den zahlreichen Vorstellungen der Ernährung des Bacchus,
wovon auf Vafengemälden und Reliefs sich auch jetzt noch
keine unbedeutende Zahl erhalten hat, dem alten und jungen
Pan mehr als eine Rolle zugetheilk gewesen sei, obgleich in
den noch vorhandenen Denkmalen der Art, so weit wir sie
kennen, dergleichen Figuren nicht Vorkommen. **)

Das Geachteste und Geistreichste dieses Marmorreliefs
schien uns stets das zu seyn, was Bellori in seiner der Ku-
pfertaftl in den ^.clmirnriäis untergesetzten Erklärung schlecht-
weg für ein das Leere bloß ausfüllendes Hors d’oeuvre er-
klärt, und dabei noch obenein einen ehrlichen Sperling oder
eine Taube — das mag hier unentschieden bleiben — für

*) Pitture d’Ercolano T. II. tav. XIII. HÜlfstafel C. Zu IN Pio-
Clementino T. V. wo Visconti den Cunegeschen Stich des Casa-
lischen Marmors zuerst mittheilte. Dann wurde er in Meyers
und Böttiger's archäologischen Museum I, 75. ff. aufs
neue erläutert. Welcker hat in seiner Zeitschrift für Ge-
schichte und Auslegung alter Künste Th. in. S. 475. ff.
mir eben so viel Gelehrsamkeit als Scharfsinn eine neue Erklärung
davon aufgestellt. Es sei erlaubt, mich noch nicht für ganz überzeugt
zu erklären. Mir scheint der gefesselte Panisk doch nur eine scherz-
hafte Episode im großen Hochzeitdrama, uud danm wäre das alte
xapeppov &pyov cSs 7coiobp.zSa allerdings auch hier anwendbar.

**) Der gelehrte und geistreiche Nic. Poussin hat sie auf sei-
nem bekannten Gemälde Education de Bacchus nicht vergessen. S.
Oeuvre du Poussiri par London. T. III. n. 12.
loading ...