Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 42
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harmlosen Luft - und Erdbewohnern (den reinen und unrei-
nen Thieren im Persisch-Medischen oder Zoroastrischen Sy-
stem, *) worauf eigentlich dieser ganze Kampf der Thierarten
unter sich beruhet, in Gewalt und Nothwehr aus. Es ist
bekannt, wie schön dieß Milton benutzte, als Adam vom
Vorgefühl der Folgen des Sündenfalles überwältigt, sein
Urtheil erwartend, zum erstenmal auch die losbrechende Feind-
schaft zwischen den Thieren erblickt. **)

Inppiter's Vogel, hoch ans Lüften spähend,

Stürzt auf ein buntgefiedert Vögel-Paar!

Des Waldes Fürst, zum erstenmal heut Jager,

Verfolgt ein edles Paar, den Hirsch, die Hindin,

Die sanftesten der Waldbewohner. —

Niemand hat dieß aber mit mehr philosophischem Blick auf
die früheste Bildungsgeschichte der Völker und auf den
halbthierischen Zustand der durch Kampf und Bedürfniß zu
Fortschritten in der Kultur angestachelten Menschheit ***)
geschildert, als Virgil, wo er zu Anfang seines Lehrgedichts
des Herrschers Iuppiter wohlthätig wirkende Fügungen schil-
dert und sich über die kindischen Begriffe einer im goldenen
Zeitalter unthatig hinbrütenden Unschuldswelt erhebt. Iup-
piter ist's, der dieß goldene Zeitalter allein aufhob, der

— verlieh Giftgeifer den schwarz aufschwellenden.Nattern,
Sandte die hungrigen Wolfe zum Raub und regte das Meer auf—
Daß der Gebrauch nachsinnend die mancherlei Kunst hervorzwang'
Allgemach, und in Furchen den Halm des Getreides erzeuge. 7)

*) S. Creuzer's Symbolik Th. I. S. 720. der zweiten
Ausgabe.

**) Paradise Lost XI, iZZ. ff. ve'.'gl. IV, 340. ff.

***) vergl. über den erträumten und wirklichen Zustand der frühe-
sten Menschenstamme Meiners Zusammenstellungen über den
Stand der Natur im Göttin gischen hi stör. Magazin
Th. II. S. 697. ff.

f) Georg. 1,125. f. mit Voß schöner Entwicklung S.84.f.
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