Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 49
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zu erblicken? Griechen und Römer sind voll von ähnlichen
Stellen. *) Doch mag die Anspielung auf diese Hasen-
verzehrenden Königsvögel in der Anti-Lais des Epikrates, in
einem von Athenaus uns erhaltenen Bruchstück, durch ihren
Witz sich vorzüglich empfehlen. Die altgewordene Hetäre
Lais wird hier mit den auf Tempel-Simsen sitzenden und
dort hungernden alten Adlern verglichen, **) da die jugend-
liche und noch frische Buhlerin vielmehr den Adlern ähnlich
gewesen sei, die Lämmer oder Hasen schmausen.

— es geht ihr wie
Den Adlern, die in ihrer Iugendkraft
Sich jetzt ein fettes Lamm, jetzt einen Hasen
Von dem Gebirge rauben, und im Neste
Mit ihrer Beute etwas gütlich thun.

Das geht so lang es geht — nun sieht man sie
Oft hungrig auf des Tempels Giebel sitzen. ***)

*) Man findet sie schon bei Spanheim äs Praest. et Y«u
Numismat. T. I. p. 171. gesammelt. Die alte Münzallegorie hatte
zwei verschiedene Münzbilder, den Adler, der mit einer Schlange
kämpft (das bekannte Homerische Gleichnis) und den Adler, der einen
Hasen frißt. In beiden Fallen bezeichnet der Adler die überlegene
Macht, nur daß, wo der Hase verzehrt wird, ein schwacher, nur zur
bequemen Beute dienender Feind dadurch angedcutet wird. Bekannt-
lich spielte dieß Münzbild eine bedeutende Rolle auf den Münzen
der Agrigentiner, Morgantiner und mehrerer Städte Siciliens, wo
Adler und Hasen beide gewiß eine politische Anspielung enthalten,
wie auch Torremuzza vermuthet. Eine merkwürdige Münze von
Valeria mit diesem Bilde giebt Eckhel in den Nunm anecdotis
tab. I. n. 7. p. 9.

**) S. Beilage L.

***) Athenaus XIII. p.570. C. oder 0. 26. 1. V. p. 59. Schweig,
übersetzt von Jacobs in den Beitragen zur Geschichte des
weiblichen Geschlechts in Athen in Wielands attischem
Museum Hl, 184.

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