Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 54
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Und so möge denn Amalthea, der älteste Ammen - Name
in der Mythologie, zur guten Stunde für eine Sammlung
gewählt worden seyn, die der klassischen Kunst-Mythologie
und dem bildenden Alterthum gewidmet, gern etwas von
der unerschöpflichen Fülle des cornu copiae und von dem
Zauber, den Zevs in dasselbe legte, sich aneignen möchte!
Fast mit den ersten Lebenszeichen der wiedererweckten Litera-
tur in Italien schrieb auch schon der gelehrte Bischoff von
Siponto, Nicola P e r o t t o, sein Füllhorn, sein cornu
copiae über den Epigrammendichter Martial. *) Derselbe
Titel ist seitdem noch öfter gebraucht worden. Möge aus
unserm Almathea-Horn wenigstens zuweilen — wir wagen
zu hoffen, weil edle und tüchtige Kunstfreunde sich in fröh-
lichem Vorsatz hier die Hand geben — ein solcher Nektar-
tropfen rinnen, wie ihn der Altvater unserer Kunst und Lite-
ratur in einer seiner köstlichen Dichtungen, die die Ueberschrift
trägt, M inerv ens Sch aale, die sie dem Prometheus
beut, entträufeln läßtl **) Möge auch von unsrer Samm-
lung gesagt werden können, was gleich darauf dort geschrie-
ben steht:

Du, geboren über Resten
Heiliger Vergangenheit,

Ruh ihr Geist auf dir!

Welchen der umschwebt,

Wird in Götterselbstgefühl
Jedes Tages preisen!

*) S. Bayle's Dictionnaire, Artikel Nicoles Pirot T. III.
p. 679. c.

**) S. Göthe's Werke (nach der neuesten Ansgabe) I. Ban-
des 11. Abtheilnng S. 170.
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