Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 55
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Beilage a.

Das N a m e n s f e ff.

§)ie Nominalien oder das Namensfest, wo den Neugebornen zuerst
vom Vater der Name gegeben wurde, unterliegen in der griechischen
und römischen Alrerrhumskunde manchem noch immer nicht zur Genüge
gelbsten Zweifel. Man darf hier nur die Collectaneen bei Meursius
und Bartholinus de puerperio, oder was zuletzt noch Harleß de no-
ininibus 6i-r,eoorurn p. 41. ff. gesammelt haben, einiger Kritik unter-
werfen. Man muß annehmen, daß zu verschiedenen Zeiten und bei
verschredenen Völkerschaften des classischen Alterthums bei der Bestim-
mung, an welchem Tage von der Geburt an gerechnet das Namensfest
gefeiert worden, eine große Verschiedenheit geherrscht habe. So viel
steht fest, vor dem siebenten Tage fand die Ceremonie nicht statt.
Denn die meisten Sterblinge unter Neugebornen, sagt der große
Beobachter Aristoteles Hist. Anim. VII, 11. p. 340. ed. Schneid,
sterben vor dem siebenten Tag. Und darum geben die Eltern ihm
erst da den Namen, weil sie nun sicher an seine Erhaltung glauben.
Plutarch in den Quaestt. Rom. c. 107. T. II. p. 173. Wyttenb.
setzt eine zweite Erfahrung hinzu, weil bei Kindern gewöhnlich erst
am siebenten Tage der Nabel sich löse, bis dahin aber das Kind
mehr einer Pflanze als einem Thiere gleiche. Also wurde wirklich
von vielen gleich der siebente Tag zur Onomatothesie gebraucht. Dieß
hieß sßbofieveiSai. S. Harpocration 8. V. iß5ojievo}ievov. Allein
es konnte auch der achte, neunte und zehnte Tag dazu gewählt wer-
den, je nachdem man das Hebdomadarische Wochensystem oder das Deca-
densystem im Monat annahm. Das gewöhnlichste blieb bei den Grie-
chen der zehnte Tag nach der Geburt. Dabei wurde geopfert,
geschmaust. Aber das Kind empfangt dabei auch seinen Namen. Da-
her die komische Stadttaufe der Wolken-Kuckucksburg in Aristophanes
Vögeln V. 926. mit den Commentatoren in Becks Commentariis
Vol. 111. p. 5,5 f. Vergl. Ave« 494. und die Commentatoren
p. 443. Dieß hieß denareveiv nach Suidas s. v. Vergl. die Com-
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