Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 56
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mentare zu Sophocles LIecrra 1125. Bei den Römern, wo die
Mädchen den achten, die Knaben den neunten Tag ihr Namenfest
harren, gab es eine eigene Göttin, Nundina, dazu. Die Haupe-
stelle ist bei Plutarch in den Quaestt. Rom. c. 102. und beim Macro-
bius I. Sat. 16. p. 291. vergl. Spangenberg's Preisschrift de
veleriz Latii religionibus domesticis §. 92. p. 76. -— Nun fand
aber überall dabei eine besondere Weise statt, wo man das neuge-
borne Kind um den brennenden Hausheerd (d/r^' isriav) dreimal
wenigstens herumtrug. Dieß sind die so oft vorkommenden äfnpibpö-
jna, die die Römer, die Weihung als Hauptsache beachtend, lieber
diem lustricum nannten, (S. zu Sueton's Nero 0.6.) und an
dessen Stelle im Christianismus sehr früh die Kindertaufe getreten
ist. (Der wahre Ursprung des in ganz anderer Beziehung gesuchte
paedobaptismi.) Allein bei diesen Reinigungen treten wieder große
Verschiedenheiten der Zeit ein. Alles recht erwogen, scheint eigentlich
der fünfte Tag schon der Tag der Reinigung und Weihe gewesen zu
seyn. Dieß sagen die gelehrten Scholien zu Plato's Lheaterus c. 47.
(p. 21. edit. Rubriken.) so bestimmt, daß daran nicht zu zweifeln ist.
Aber es heißt dort auch ro-ovo^a Ti^evrai. Das kann zuweilen
auch geschehen seyu. Dieß aber rückte man bald auf den zehnten Tag
und feierte nun auch wohl dann erst den Reinigungs- und Weihungs-
act. Die Stellen hat schon Meursius in Graecia s. v. äjupitpö-
jiia vollständig gesammelt, vergl. Taylor zu Lysias Fragmenten
p. 621. ed. Londin. Schade, daß die Rede des Lysias über die Frau,
die ihr Kind in der Schwangerschaft abgetrieben hatte, mpi djißXa}-
seoin- verloren gegangen ist. Lysias hatte darin, wie wir aus Theons
Progymnasm. v. 2. wissen, die zwei Fragen aus der alten medicina
forensis abgehandelt, ob der Embryo wirklich schon ein Mensch und
also das Abtreiben der Geburt ein Menschenmord sei, und zweitens:
ob die abtreibende Mittel gebrauchende Frau schuldig sei, welches
Lysias bejahet. Bei dieser Gelegenheit kommen auch alte Gebrauche
der griechischen Kinderstube zur Sprache. Es würde übrigens sich doch
der Mühe verlohnen, dieß Reinigungsfest, welches zugleich mit der
Benamung verbunden war, in seinem Ursprung zu verfolgen. 2ch
glaube nicht zu irren, wenn ich darin eine entfernte Spur der bei
den phönizischen Küstenbewohnern in der frühen Vorzeit jene heilige
Feuertaufe, d. h. eine Reinigung des Kindes durchs Feuer, finde, wo-
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