Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 63
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—-- öS

Virgil, und wie oft sind sie bis zu Mandeville's Bienenfabel herab
den Menschen als wahre Deboren (so nennt sie der Orientale, Fuh-
rerinnen) ein Beispiel gewesen! Nichts kömmt häufiger in alten
Erzählungen vor, als der Umstand, daß ausgezeichneten Männern,
wenn sie alS Kinder im Freien schliefen, Bienen Honig zutrugen,
weswegen-auch in der alten Traumauslegungskunst ein Bienenschwarm,,
der sich aufs Haupt setzte, Volksanführern eine gute Vorbedeutung
war, nach Artemidor IT, 22. p. 176. Reiff. Am berühmtesten war
in dieser Hinsicht die Erzählung von dem kleinen Pindar, wie sie
Pausanias IX. 23. 2. am ausführlichsten berichtet. Ermüdet schlaft er
er auf einem Gang nach Thespia am Wege ein. Da fliegen Bienen
herbei und heften Honig an seine Lippen. Die Sache war Gegenstand
eines alten Gemäldes, das uns Philostratus beschreibt Icon, n, 12.
p. 329. und Göthe den neuern Künstlern vorschlagt in Kunst und
Alterthum II. 1. S. 47. vergl. Heyne's Opusc. T. V. p. 114.
Horaz Od. in. 4. nimmt nur die Taube statt der Bienen. S. Bötti-
ger's erklärende Anmerkungen zu Horaz S. 38. Dieselbe
Sage wiederholt sich beim jungen Plato. S. Cicero Div. 1, 36. 11, zi.
und die von Fischer zu Olympiodor's Leben angeführten Stellen
p. 76. Nun gehts auf Könige und Feldherrn über. So nähren Bie-
nen viele Tage den kleinen Hierocles, den Vater des Hiero, beim
Justin XXIV. 4. Auch die heilige Legende der christlichen Zeit ver-
schmähte diese Sage nicht von Ambrosius herab bis zur heiligen Ge-
noveva. Wer sieht nicht, daß alles dies nur Nachklange sind des
alten kretensi'schen Bienenzöglings? Uebrigens gehören hierher meh-
rere aus dem Alterthum übriggebliebene geschnittene Steine, mit einem
Iupiterskopf, unter und in welchem eine Biene gestaltet ist, welche
Winckelmann ganz widersinnig auf den Zavs Äxoji-bios bezogen hat,
abgebildet in den Monum. Inediti n. 12. und 13. vergl. Atlas zu
Creuzer's Symbolik V. z.; vor allem aber die Silenusmaske, mit
der in dem geöffneten Mund fliegenden Biene, auf einem geschnittnen
Stein, den Jenkins besaß, gleichfalls in den Monum. Inediti n. 191.
Winckelmann denkt dabei ohne allen Grund an den Ariftophanes, wo-
von Visconti in der Ikonographie nichts weiß. Wir kennen jetzt aus
Creuzer's gelehrten Abhandlung in den Studien die Silenus-
maske als Symbol aller Weisheit und Redekunst. Winkelmann hätte sich
dabei der in dem Schädel des Onesilus, dessen Kopf über der Pforte von
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