Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 68
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in gebrannter Erde. Hercules tragt den Vater Zevs selbst auf dem
Rücken fort, welcher ein.gewaltiges Füll- oder Trinkhorn vor sich hin
halt. Ich habe in dem ( im Jahre i8n bei Göschen in Leipzig er-
schienenen) Almäna.ch für Weintrinker S. i— 40. als Bei-
trag zur Methyologie des Alterthums eine scherzhafte Erklärung davon
zu geben versucht, möchte aber im Ernste nicht verantwortlich dafür
gemacht seyn.

U) Es würde für ein archäologisches Musterbuch, wie wir uns
dasselbe oft als ausführbar in Gedanken vorgestellt haben, in welchem
jedes Emblem und Attribut des mythischen.Kunstkreises von seiner
ursprünglichen rohern Gestalt bis zu der kunstreichsten Vollendung
in'einer Folgenreihe aus alten Denkmälern uns vors Auge gestellt
wurde, eine sehr lehrreiche Kupfertafel geben, wenn die vorzüglichsten
Formen des antiken Füllhorns in möglichst genauer Abstufung der
Zeitfolge neben einander erschienen. < Ohn streitig würde aus Münzen
von jener rohen Gestalt, wie man sie z. B. auf Münzen von Laodicea
in Hunter's Museum tab. 32, 3. g. oder auf so vielen Vasen der
ältesten Malerei in silhouettenartigen Figuren Vorkommen sieht, bis zu
den schönen Alexandrinern auf Münzen, welche den Königinnen Arsinoe
und Berenice zugehören, (Eckhel IV. 12.) und zu den zierlichen Ge-
stalten in gebrannter Erde, (z. B. bei Millin Monumens inedits
T. II. pl. XII.) die mannichfaltigste Abstufung und Abwechslung
hervorgehn. Bei fortschreitendem Luxus wuchsen diese Füllhörner
unendlich in ihrem Umfang, z. B. als unter den Nachfolgern Alexanders
der Kolossalgeschmack alles ins Ungeheure trieb. Man erinnere sich
nur an die Procession unter Ptolemaus Philadelpbus beim Athenaus
V, 27. 1. 11. p. 263. Schw. wo die eine Elle hohe Statue des
’EviavTos, (der Annona, nichts anders als ein Agathodamon) ein
goldenes Füllhorn tragt. Die Römer gaben nicht nur der allegori-
schen Personisication der Abundantia ein Füllhorn in die Hand (wel-
ches selbst oft Copla genannt wurde, z. B. beim Lactantius m, 29.
Fortuna cum copia et gubernaculo ), sondern ganz besonders auch
der Concordia. Darum hatte Livia dieser Göttin ein prächtiges
Füllhorn geweiht, an welchem sich der berüchtigte Siegelring des Po-
lykrates von Theodorus aus Samos verfertigt und als Emblema eingelegt
befand, wie Plinins berichtet XXXVII, 1. s. 2. Vergl. Visconti zum
Pio - Clementino T. III, p. 73. und in seinen OsservaLtoni sopra
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