Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 70
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Doch die schönste Frucht in den Fruchthörnern, die das Alterthum
bildet, bleibt ohr.streirig ein Kinderkopf, oder ein Kuabchen, welches
in der Mitte aus dem Horn hervorsteigt. Wer erinnert sich hier
nicht in der herrliche Nilstatue mit den i6 Knaben, welche früher im
Vatikan war, nun in Paris zurückgeblieben ist, Pio - Clement. T. I.
tav. 38- an die bekannte Anspielung auf die i6 Ellen, zu welchen der
Nil anschwillt? Auf ägyptischen Kaisermünzen kommt der i6. Knabe
allein aus dem Füllhorn des Nils emporsteigend häufig vor. S.
Zoega Numi Aegypt. IV, 19. V. 2. XII. Z. Daher allein, was
bis jetzt wenig bemerkt worden ist, entlehnten die Römer das von
den Zeiten des Tiberius an so oft vorkommende Münzbild mit der
Umschrift temporvm telicitas, wo aus sich überkreuzenden Füll-
hörnern Kinderköpfe hervorsteigen. S. Buonaroti sopra alcun.
medagl. p. 296. Wie viel ist in dieser Vorstellung, seit Addison
in seinen Oiologues upon the Usefulnefs ok ancient medals p. 89.
davon gesprochen hat, über diese sonderbare Idee geklügelt wor-
den. Endlich mag auch die so oft vorkommende Verdoppelung der
Hörner, die nah aneinander gefügt oft nur ein einziges (z. B. in
Buonaroti Medaglion. tab. VII, Z.) Horn zu seyn scheinen, nur
als Verstärkung des Begriffs Glück, Ueberfluß angesehen werden.
Jede andere Erklärung ist unstatthaft. Man denke nur an die zwei
' Fruchthörner auf der Brust des Nilgottes auf dem geschnittenen Stein
bei Winckelmann Monumenti inediti n. Zi. — Zuletzt dürfte
hier noch in Beziehung auf neuere Münztppen und Allegorieen die
Bemerkung nicht ganz überflüssig seyn, daß die bei den Modernen so
häufig vorkommende Vorstellung, wo aus den umgekehrten Füllhör-
nern Frucht, Korn oder Goldstücke herabgeschüttet werden, z. B. die
zu Birmingham I8or geschlagene Gedachtnißmünze in der Hisroirs
metallique de Napoleon (Londres iZ > 9.) pl. XV. 5°*) etwas sehr
ungereimtes hat. Der gute Geschmack hat die Alten stets vor einer
Vorstellung bewahrt, die, weil das Ausgießen eine ganz unplastifche
und die Idee eines Ueberflusses, der wohl emporquillt, aber nicht aus-
geschüttet wird, widersprechende Form ist, auf Denkmälern, die
beßrer Zeit zugehören, stets bewahrt. Erst unter den spätem römi-
schen Kaisern findet sich die Abundantia mit umgewendetem, aus-
schüttenden Horn. S. Eckhel Doctrin. N. V. T. VII. p. 343. 413.
n. s. w. Wenn auf einer alten Münze von Pästum die überschweng-
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