Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 77
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I.

Erstes Fragment

über Hieroglyphen, ihre Deutung und die Sprache
der alten Aegyptier.

Von F. A. W. S p o h n.

Hätte die Jahrhunderte langdauernde Einwirkung der Zeit
oder der Menschen ungezügelte Wuth jene stummen und doch so
beredten Zeugen alter Größe und Herrlichkeit, die Denkmale
der Kunst in Aegypten, vernichtet; es würden die Schrif-
ten der Gebildeten wiederhallen von den Klagen über die-
ses Mißgeschick, das uns die Möglichkeit einer genauen
Erkenntniß, die man sich nicht allzuschwer gedacht haben
würde, auf immer entrissen hätte. Die einzelnen Stimmen
der Zweifler, daß dieß alles, was sich in schriftlichen Ue-
berlieferungen der Vorwelt darüber findet, je gewesen, je
so gewesen sei, würden vor dem allgemeinern Unwillen
überhört worden seyn, daß diese Rathsel von denen, die
es der Zeit nach noch gekonnt hätten, so wenig nach
Verdienst beachtet, weniger noch gelöset seien. Aber noch
stehn großcntheils jene Denkmale ägyptischer Kunst, die
hier wie überall im Alterthume im Dienste der Religion
arbeitete, sie verherrlichte und durch sie wieder verherrlicht
wurde, mit und in ihr entstand, mit ihr sich auöbildete,
mit ihr erlosch. Noch stehn jene Obelisken und erwarten
mit ihren Zeichen noch die Deutung künftiger Geschlechter;
noch stehen großentheils jene berühmten ungeheuer» Tem-
pelmasscn, oder lassen größerntheils noch aus ihren Trum-'
mern ihren wunderbaren Bau errathen; noch sehn wir
jene Kolosse, deren Bearbeiten und Fortschaffen aus den
entfernten Steinbrüchen, wo man zum Theil die deutlich-
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