Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 82
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einem oftmals nur Stecken-Pferde auf das andre sprang,
oder nach dem Recepttafchenbuche, das schon Herder in der
ältesten Urkunde des M. G. p. 229. so wahr mit den Wor-
ten tadelt: „Mit einem Fingerhute allgemeiner Philosophie
verstehn wir, wovon wir kein Wort verstehn, verstehn im
Einzelnen nichts, im Ganzen aber alles," mag es nicht
bezweifelt werden. Daß aber unter allen Voraussetzungen
und Umstanden die Entzifferung der Hieroglyphen zu den
gänzlich unmöglichen Dingen gehöre, davon werde ich, un-
geachtet mancher noch, nach so Vielen, selbst gemachten,
vergeblichen Versuche, nie mich überzeugen können.

Es läßt sich wohl nicht bezweifeln, daß Zoega, nicht
ungeachtet, sondern gerade mittelst seines Scepticismus, der
hier gewiß so wenig schädlich werden kann, daß man ihn
allen seinen Vorgängern wünschen, den Nachfolgern zur
Bedingung machen möchte, uns auf einen festern und sichern
Boden zu führen begonnen hat, wenn auch nur negativ, in-
dem er zeigte, daß wir aut dem bisherigen nicht weiter vor-
geschritten seyen, als Rierius Valerianus und Goropius.
Er zählte, ordnete und verglich, wie keiner vor ihm, und
indem er auf den Grund der bekannten wichtigen Stelle im
Klemens (Strom. V. 4. p. 657. Rotter.) eine Classifika-
Lion der Hieroglyphen rücksichtlich der Art der Bezeichnung
aufstellte, fügte er auf I^lorapoIIo sich beziehend jenen kle-
mentinischen vier Klassen eine fünfte, die phonetische, hinzu.
Unstreitig hatte Klemens, der seine genaue Kenntniß wohl
aus sehr guten Quellen schöpfte, diese Art mit zu der anigma-
tischen gezahlt. Da jedoch Zoega von der eigentlichen Ein-
theilung des Klemens, der zwei Hauptklassen die kyriologi-
sche und symbolische, und die zweite in drei Uuterabtheilun-
gen, die kyriologumenische, tropische und anigmatische Art
der Hieroglyphen umfassend aufführt, einmal glaubte ab-
weichen zu müssen, mag er deshalb, der daraus entstehenden
größeren Deutlichkeit wegen, nicht geradezu getadelt werden.
Er verstand nun unter der bis auf ihn fast unberücksichtigten
sogenannten phonetischen Art der Hieroglyphen, Wortsiierogly-
phcn, wo das Bild einer andern Bedeutung desselben Wortes
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