Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 88
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Die rechte Hand vom Stammworte glücklich seyn
oder machen, die linke Skö&>; vom Stammwort festh alten,
Zusammenhalten, soll jene Annahme bestätigen; auch soll die
linke die zusammenscharrende, hierdurch Bild des Un-
glücks geworden seyn.

Was das letzte betrifft, so ist, wenn die rechte die
gebende ist, uur die linke als nehmende übrig; ist jene
die erfassende, erobernde , ergreifende; so ist nur diese zur
Bezeichnung der behaltenden, bewahrenden noch zu wählen,
non minus est laudis, quam quaerere, parta tueri.
Daß aber wegen der Augurien hauptsächlich, wobei ein
tieferer Grund wieder Veranlassung war, die linke Hand
zur unglücklichen ward, nicht umgekehrt; ist wohl dem klar,
der sich durch des evuüvvjxo; in vielen wohlbelobten Büchern
falsche Deutung nicht irren laßt, der Wahrheit gemäß es so
zu nehmen, cujus infaustum nomen Dii faustum
esse jubeant, und der bei Plutarch de plac. Phil. II.
io. nicht ganz wahr angedeuteten Ursache in der Natur und
dem Menschen weiter nachzuforschen sich bemüht.

Durch alle dergleichen Nachweisungen würde uns nur
eine Analogie, keineswegs ein Deutungsprinzip gegeben
werden; denn wie möchte wohl ein solcher Umweg dafür
gelten, der uns nur dahin bringt, was man ohne ihn ein-
sieht, und der zu seiner Erläuterung desselben Schlüssels erst
bedarf, der jener nöthig ist? Oder könnte man, daß das Ger
schlossenseyn der Hand ein Darreichen, das Ausgestrecktseyn
der geöffneten ein Behalten bezeichne, vermuthen? oder be-
darf es erst des Semitischen um das Gegcntheil begreifen
zu können? und wird uns durch dieses bloße Analogon auch
nur die, beiden zu Grunde liegende, Begriffsähnlichkeit klarer?

Es kann ferner wohl unmöglich Ernst seyn, wenn pag.
XXX. gesagt wird, daß sich wegen der in diesen Aethiopi-
schen Hieroglyphen befindlichen Lehren von Gott, Tod und
Unsterblichkeit eher begreifen lassen werde, warum Homer
schon mit heiliger Ehrfurcht die reinen, untadelhaften Aethio-
pen gepriesen habe. Sollte wirklich kein andrer, kein na-
türlicher Grund davon dem Verfasser bekannt gewesen seyn?
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