Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 94
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2* Nach Caylus Meinung sieht man auf der Walze einen
persischen König, den man leicht an seiner Tiare und dem
langen farbigen Gewände erkenne, und zwar wegen der Ver-
bindung mit ägyptischen Symbolen einen der ersten Eroberer
von Aegypten, auf seinem erhabenen Throne sitzen: hinter
ihm stehe eine Priesterin der Isis, die, einen Ibis bei den
Füßen haltend, einen vornstehenden Aegyptier anzuklagen
scheine, den geheiligten Vogel getödtet zu haben, wahrend
dieser sich entschuldige und vertheidige. Wie laßt sich nun
mit dieser Vorstellung die Idee eines Amulets verbinden?
was für ein Zweck desselben laßt sich dabei gedenken? Sollte
es etwa dem Besitzer die Gunst des persischen Königes erhal-
ten? dann hatte weder die anklagende Priesterin, noch der
angeklagte Aegyptier, eine schickliche Darstellung gewählt.
Eher ließe sich die redende Person als Perser denken, welcher
sich nicht vor dem persischen Könige, sondern vor Ormuzd
selbst, als seinen eifrigen Verehrer durch Bekämpfung eines
fremden Aberglaubens bekennete- Allein dawider streitet der
Mangel des Gürtels bei dem Perser, und der Mangel des
Bartes bei dem Gotte, wenn gleich des Persers Tracht nicht
gar sehr abweicht von der Figur der zu Persepolis, welche
das erdolchte Einhorn bei dem Horne gefaßt hat, und Or-
muzd selbst auf derjenigen Walze, welche Caylus unmittelbar
unter der hier erklärten hat abbilden lassen, in ziemlich glei-
cher Attitüde mit dem thronenden Könige erscheint. Ich
kann mir daher die Walze, wenn sie ein Amulet scyn soll,
nur als ein Amulet für den persischen König selbst denken,
der sich darauf als einen gerechten Richter über die Völker
darstellen ließ.

3. Man könnte aber die Walze auch für ein bloßes
Siegel eines persischen Satrapen halten, weil sie nach Cay-
lus Angabe nur eine Höhe von eilf und einen Durchmesser
von fünf Linien hat. Denn daß dergleichen Walzen auch zu
Siegeln dienten, leidet jetzt keinen Zweifel mehr, seitdem
ich aus ihren Inschriften bemerkt habe, daß sie zum Theil
die Abbildungen recht, zum Theil verkehrt darstellen, und
seitdem ich im Besitze eines solchen Siegelabdruckes auf einer
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