Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 97
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Kränkung, die einem Aegyptier widerfahren konnte/ dar-
stellte : und der Verfolg unserer Erklärung wird zeigen r daß
Caylus in den Abbildungen mehr Aegyptisches fand/ als
man zugeben darf/ und daß selbst die reinägyptischen Vor-
stellungen nach persischem Stile dargestellt worden sind.

6. Was Herder in seinen persipolitanischen
Briefen S. 139. f. über die Verschiedenheit der persi-
schen Göttersymbolik von der ägyptischen anführt/ gilt
auch von unserer Walze. „Die Aegyptier/ sagt er/ setzten
Thicrhäupter auf Menschenkörper/ die Perser nie: diese
fügten der schwebenden Menschenfigur das sie bezeichnende
Symbol bei/ oder ließen den schützenden Geist über ihr
schwebend erscheinen." Wenden wir diese Bemerkung auf
unsere Walze an, so finden wir/ daß es ein persischer/
oder wenn man will/ babylonischer Künstler war/ welcher
sie für einen ägyptischen Satrapen und vielleicht in Aegyp-
ten selbst verfertigte/ und den eigenthümlichen Geist eines
jeden abgebildeten Volkes auf persische Weise darstellte.
Wir sehen nämlich die menschlichen Figuren in einem drei-
fachen National-Costume in dreifach verschiedener Haltung/
von dreierlei Symbolen begleitet/ wodurch nach persisch-
babylonischer Darstellungsweise drei verschiedene Völker in
Beziehung auf einander bezeichnet werden. Der Perser-
könig sitzt in derjenigen Haltung auf dem Throne/ wie
man sonst den Ormuzd abgebildet findet/ nur mit leiden-
schaftlicher Bewegung seines Hauptes in Beziehung auf
das/ was die redende Figur vorträgt. Diese schreitet
lebhaft vor in einem kürzeren Gewände , wie es der starke
Jäger oder Thierbekämpfer auf den Mauern zu Persepolis
trägt/ während die ägyptische Figur mit steifen Füßen
wie eine Mumie da stehet: und diese Figur ist es nebst
ihren Symbolen allein/ worin der Künstler den ägyytischen
Stil nachahmte.

7. Caylus hielt zwar auch die geflügelte Kugel ober-
halb des persischen Königes für einen ägyptischen Käfer;
aber Herder tadelte dieses in seiner Persepolis (im ersten
Theile seiner sämmtlichen Werke zur Philosophie

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